Multiple Persönlichkeitsstörung

 

(= m. P.) [engl. multiple personality disorder; lat. multi viele], [KLI], die in der ICD-10 zur großen Gruppe der dissoziativen Störungen (F44) gerechnete m. Persönlichkeit(sstörung) ist nach Angaben der Autoren «selten» und es werde kontrovers diskutiert, «in welchem Ausmaß sie iatrogen oder kulturspezif. sei». Grundlegendes Merkmal sei «das offensichtliche oder scheinbare Vorhandensein von zwei oder mehr versch. Persönlichkeiten bei einem Individuum». Dabei sei «zu einem Zeitpunkt jew. nur eine sichtbar». Jede Persönlichkeit sei «vollst., mit ihren eigenen Erinnerungen, Verhaltensweisen und Vorlieben». Bei der häufigsten Form mit zwei Persönlichkeiten sei «meist eine von ihnen dominant». Keine habe «Zugang zu den Erinnerungen der anderen» und die eine sei «sich der Existenz der anderen fast niemals bewusst». Beim ersten Mal vollziehe sich der Wechsel von der einen zur anderen Persönlichkeit «gewöhnlich plötzlich» und sei «eng mit traumatischen Erlebnissen verbunden». Spätere Wechsel seien «oft begrenzt auf dramatische oder belastende Ereignisse» oder träten in best. Formen von «Therapiesitzungen» auf. Letztlich lässt sich über die Ätiologie und die Entstehungsbedingungen dieser interessanten Störung wenig sagen. In Einzelfällen ist nicht auszuschließen, dass es sich um Temporalepilepsien handelt. Möglicherweise simulieren auch einige nur, um Interesse auf sich zu ziehen. Immerhin werden solche Störungsbilder glaubhaft berichtet. Die berühmte Erzählung Dr Jekyll und Mr. Hyde soll die literarische Bearbeitung eines tatsächlichen Falles sein. Nachdrücklich zu betonen ist, dass die m. P. nichts mit der Schizophrenie zu tun hat, wie viele (oft auch gebildete) Laien denken.

Referenzen und vertiefende Literatur

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