Mystik

 

(= M.) [engl. mystic, mysticism; gr. μυστικός (mystikos) geheimnisvoll], [PHI], die Geheimlehre, die sich teils phil., teils rein ps. von alters her mit den okkulten Dingen beschäftigt. Die außerhalb des Empirismus, Rationalismus und Kritizismus stehende Erkenntnisform der inneren Schau, des gefühlsmäßigen Erlebens und der Intuition. Für das Abendland begründet teils im Dionysoskult, der das Aufgehen des Gefühls in Gott erstrebte (enthusiasmos = das In-Gott-Sein), teils in der christlichen Lehre und ausgebaut in der mittelalterlichen M. (Meister Eckhart u. a.), die das Eingehen des Bewusstseins in das Wesen Gottes lehren. Diese mystische Vereinigung (unio mystica) bildet das höchste Ziel. Die abendländische M. hat über die Reformation und Renaissance (Böhme, Bruno, Paracelsus, Angelus Silesius u. a.) bis in die Neuzeit gewirkt (Schelling, Schleiermacher). Im Ggs. zum Abendland ist die M. in anderen Gebieten, z. B. im indisch-buddhistischen Raum (Achtsamkeit), stärker wirksam geblieben. Mystizismus bez. im Unterschied zu M. eine überhöhte Vorliebe für das Mystische, außerdem abwertend gebraucht für unkritisches und religiös überhöhtes Verhalten sowie die Neigung zum «verschwommenen» bzw. «unscharfen» Denken.