nachhaltige Entwicklung, nachhaltiger Konsum

 

(= n. E./K.) [engl. sustainable development, sustainable consumption], [SOZ, WIR], beschreibt eine «Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht und dabei die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht einschränkt» (Brundtland-Report 1987; [www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm]). Dabei beziehen sich diese Bedürfnisse nicht nur auf eine saubere Umwelt sondern ebenso auf die wirtschaftliche, gesellschaftliche und kult. (Kultur) Entwicklung einer Gesellschaft. Den ethischen Kern (Ethik) bildet das Prinzip der gerechten Verteilung von Lebenschancen zw. heutigen Menschen im «globalen Norden und Süden» sowie zw. heutigen und zukünftigen Generationen. Manchmal werden jenseits dieses anthropozentrischen Ansatzes zusätzlich Tierrechte sowie ein Eigenrecht der Natur mit in die Zielebene definiert (sog. starke Nachhaltigkeit). N. E. strebt die Balance ökonomischer, gesellschaftlicher und ökologischer Ziele an; dabei treten Zielkonflikte auf, die politisch und gesellschaftlich gelöst werden müssen, vor allem über das Festlegen von Prioritäten. Politik für n. E. ist ein fortwährender Verständigungs-, Such- und Lernprozess, der die Partizipation unterschiedlichster Akteure (Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Verbraucher, Medien u. a.) erfordert. N. E. ist zudem ein moving target, das durch politisch festgelegte Ziele und messbare Indikatoren i. R. von Nachhaltigkeitsstrategien und Fortschrittsberichten begleitet wird. Insbes. in der Umwelttechnologie ist n. E. zudem zum strategischen Wettbewerbsfaktor geworden.

Die wiss. Beschäftigung mit dem Thema begann 1972 mit der Studie Grenzen des Wachstums an den Club of Rome. Auf dem Weltgipfel in Rio de Janeiro 1992 wurde in der Rio-Deklaration und der Agenda 21 die n. E. als Leitkonzept der internat. Staatengemeinschaft verankert. In weiteren Konventionen (z. B. Klimarahmenkonvention) und Protokollen (z. B. Kyoto-Protokoll) wurden teils erweiternde Def. für Nachhaltigkeit und n. E. gegeben. In der Agenda 21 wurde auch erstmals das Konzept des Nachhaltigen Konsums (= n. K.) ausgeführt. Die drei wesentlichen Strategien des n. K. lauten: Effizienz (Energie und Ressourcen), Genügsamkeit und Reduktion (z. B. durch Teilen, Tausch, Selbstmachen) und Konsistenz (d. h. Produkte kaufen, die komplett recycelt werden können).  Für die Industrieländer bedeutet n. E. notwendigerweise die Änderung von Lebens- und Konsumstilen hin zu ressourcenleicht, energiearm und sozial verträglich – denn die heutigen Stile sind mit einem zu hohen Ressourcenverbrauch und hohen Umweltschäden verbunden und weder dauerhaft auf die Zukunft noch auf die ganze Welt übertragbar. Auf dem Gipfel der Vereinten Nationen 2015 in New York wurde die Agenda 2030 verabschiedet. Diese umfasst 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs), die gemeinsam vorangebracht werden sollen und einem Monitoring durch die Staatengemeinschaft unterliegen. Das SDG 12 zielt auf n. K. und Produktion. Allerdings sind gerade Lebens- und Konsumstile nur schwer veränderbar – zu stark sind der Wunsch nach und das Beharren auf Bequemlichkeit und materiellem Wohlstand (Konsumentenverhalten und Selbstregulation).

Referenzen und vertiefende Literatur

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