Nachschulung

 

(= N.) [engl. after-training, refresher course], päd.-therap. Maßnahme für Kraftfahrer, die durch ihr Verhalten im Straßenverkehr gemessen an den Rechtsvorschriften auffällig geworden sind, aus den USA als driver improvement bekannt. Diese Maßnahmen mit Beratung und psychol.-päd. Interventionen einschl. Psychotherapie dienen der Wiederherstellung der Fahreignung. Nach bundesrechtlichen Regelungen in Dt. (Fahrerlaubnisverordnung) werden Maßnahmen dieser Art auch Aufbauseminare genannt. Zur N. können in Dt. im Wesentlichen (1) die Empfehlung des Gutachtens aus einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) wegen Alkoholauffälligkeit bzw. wegen mehrfacher Auffälligkeit anderer Art und (2) die Aufforderung der Fahrerlaubnisbehörde wegen spez. Auffälligkeit führen. Ziel der N. ist die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis, die mit einer Teilnahmebescheinigung bei der Fahrerlaubnisbehörde beantragt werden kann. N. wird ebenso in der Schweiz und in Österreich praktiziert. Das Konzept des driver improvement ist Anfang der 1970er-Jahre in Europa durch die Arbeit von Spoerer vorgestellt worden, nachdem zuvor Werner Winkler erste eigenständige Versuche in Dt. unternommen hatte. Ausgehend zunächst von Belehrungen (USA) und von Kursen zur Änderung von Einstellungen (Modell Leer von Winkler) entwickelte sich zunehmend eine gruppentherap. Vorgehensweise. Typ. Kurse nach dem verhaltenspsychol. oder dem individualpsychol. Ansatz dauern jew. 13 Doppelstunden, die sich über mind. sieben Wochen verteilen; an einem Kursus nehmen ca. 8 bis 10 Kraftfahrer teil. Bekannte Programme in Dt. stammen von den Technischen Überwachungsvereinen (insbes. TÜV Rheinland) oder von der Gesellschaft für Ausbildung, Fortbildung und Nachschulung (AFN, Köln). Die Evaluation von N.programmen erwies sich als schwierig, da exp. Versuchsanordnungen nicht möglich waren (Experiment). Nach aufwendigen Evaluationsstudien insbes. in Dt. liegt jedoch eine Fülle von Detailergebnissen vor, die zur fortwährenden Verbesserung der N. verwendet werden konnten. Aus diesen Arbeiten gingen institutionalisierte Richtlinien für die Anerkennung von Trägern von N. hervor. So genannte verkehrstherap. Programme bieten spez. Interventionen für bes. schwierige Fälle an (z. B. Individualpsychol. Verkehrstherapie nach Höcher). Mittlerweile existieren vielfältige Angebote, die jedoch nicht alle evaluiert wurden.