nicht verbale Kommunikation, nonverbale Kommunikation

 

(= n. K.) [engl. non-verbal communication; lat. verbum Wort, Ausdruck], [SOZ], umschreibt den Teil menschlicher Kommunikation, der sich für den Informationsaustausch anderer als sprachlicher Mittel (Sprache) bedient. Gelegentlich werden die Begriffe nicht verbalesVerhalten bzw. Interaktion syn. mit n. K. gebraucht, unter der Annahme, dass alles Verhalten in interpersonalen Situationen Mitteilungscharakter hat. Als nicht verbale vokale Modalitäten oder Elemente der K. werden (1) stimmliche Merkmale (Stimme), (2) Merkmale des Sprech-Pausen-Verhaltens (Zögerpausen, on-off pattern der Sprechaktivität) und (3) paralinguistische Merkmale wie Lachen etc. (Paralinguistik) unterschieden. Als n. sichtbare Modalitäten oder Elemente der K. werden (4) die Mimik, (5) das Blickverhalten, (6) die Gestik (Gesten), (7) die Körperhaltung und Körperbewegung (6 und 7 Kinesik), (8) räumliche Aspekte (Körperkontakt, Distanz, Sitzpositionen Proxemik) angesehen. Ferner werden gelegentlich auch thermische und olfaktorische Informationen (Geruch) als Teil der n. K. betrachtet, ebenso wie Merkmale und Objekte, die über die damit verbundene Person etwas aussagen könnten (Haartracht, Kleidung, allg. Äußeres, aber auch Wohneinrichtungen, Gebäudestrukturen etc.). Entsprechend den bei der Informationsübertragung beteiligten Sinnesmodalitäten wird zw. akustisch-auditivem (Hören), optisch-visuellem (visuelle Wahrnehmung), haptisch-taktilem (Hautsinne), olfaktorischem, gustatorischem (Geschmack) und thermischem Kanal unterschieden. Grundsituation der Erforschung der n. K. ist die Face-to-Face-Interaktion. K. wird demnach als ein Vorgang aufgefasst, an dem der ganze Körper der K.teilnehmer beteiligt ist. Es ergeben sich dadurch Berührungspunkte zur Ethologie und zur Kulturanthropologie. Auch werden damit viele Phänomene, welche die Ausdruckspsychologie untersucht hat, wieder in ihren kommunikativen Kontext gestellt. Um erfolgreich kommunizieren zu können, müssen Interaktionspartner enorme Mengen von Information verarbeiten. Um dem gerecht zu werden, wird in der Forschung versucht, das einfache nachrichtentechnische Modell der K. durch ein Multikanalmodell zu ersetzen, wobei so viele K.kanäle angenommen werden, wie der Mensch Sinnesmodalitäten hat (wichtig vor allem visueller, auditiver und taktiler Kanal). Es lassen sich vier versch. Funktionen n. kommunikativen Verhaltens unterscheiden: (1) Funktion für die Sprachproduktion (n. Verhalten, das eng mit dem Sprechen verbunden ist, es z. B. rhythmisch begleitet oder ersetzt), (2) regulatorische Funktion (Regulation) für den Ablauf der Interaktion (z. B. beim Wechsel der Sprecher-Hörer-Rolle), (3) interpersonale Funktion zur Bestimmung der Beziehung zw. den K.partnern (z. B. Grad der Intimität), (4) expressive Funktion zum Ausdruck von Affekten und Persönlichkeitseigenschaften (Persönlichkeitsmerkmal). Auf einer spezif. Auffassung des Verhältnisses von Sprache und n. K. basiert das Konzept der Metakommunikation (Watzlawick). Darunter wird K. über K. verstanden. In ihr geht es um die Bestimmung der Regeln, die einer K. zugrunde liegen. Jede K. ist immer zugleich Metak., insofern der Beziehungsaspekt der K. festlegt, wie der Sender die als Inhalt übermittelte Information verstanden haben will und wie er dadurch die Beziehung zw. Sender und Empfänger definiert. Die Information über die Beziehung ist zumeist «analog codiert» (Codierung) und wird v. a. über den visuellen und den taktilen Kanal und durch die paralinguistischen Phänomene im auditiven Kanal übermittelt. Der Inhalt dagegen ist «digital codiert» und wird v. a. durch die Sprache übermittelt. In der Psychotherapie ist die Beobachtung der n. K. seitens des Klienten bes. wichtig, da dabei oft seine bewusst weniger zugänglichen Teile zum Ausdruck kommen. Chamäleon-Effekt.

Verwendete Literatur

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