Notfallpsychologie

 

(= N.), [engl. emergency psychology], [AO, GES], Fachgebiet der Ps., das der Gesundheitspsychologie und Medizinischen Psychologie genauso wie der Arbeits-, Personal- und Organisationspsychologie zugeordnet werden kann. Notfallpsychol. Forschung, Theorienbildung, Methoden und Maßnahmen setzen je nach den Umständen auf der Ebene des Individuums, einer Gruppe und/oder einer Organisation an. Sie zielen darauf ab, direkt oder indirekt von einem Notfall oder einer Krise betroffene Menschen dabei zu unterstützen, das Erlebte zu verarbeiten, möglicherweise damit verbundene psych. Belastungsreaktionen so gering wie möglich zu halten und die Leistungsfähigkeit und Lebenszufriedenheit schnellstmöglich wiederherzustellen bzw. zu erhalten. Indirekt Betroffene können bspw. Angehörige, Augenzeugen, Zuschauer oder Helfer und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sein.

Ein Notfall ist ein als bedrohlich bzw. belastend wahrgenommenes (kritisches; kritisches Lebensereignis) Ereignis, das vom Tod einer nahestehenden Person im häuslichen Umfeld über einen schweren Verkehrsunfall oder Arbeitsunfall bis hin zu einem Großschadensereignis wie bspw. einem Zugunglück oder einem Amoklauf reichen kann.

Inhaltliche Überschneidungen gibt es zur Krisenintervention, wenn es darum geht, den Betroffenen zunächst Schutz, Sicherheit und Entlastung anzubieten und in Gesprächen Ressourcen zu identifizieren, die dabei helfen, das Erlebte zu verarbeiten und so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurückzufinden und der Entstehung von psych. Erkrankungen wie bspw. einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSB) vorzubeugen.

Notfallpsychol. Gesprächsangebote können präventiv i. R. von Schulungen (Personalentwicklung) ansetzen, wenn bspw. Mitarbeiter einer Berufsfeuerwehr sich zum Umgang mit Stress (Stressbewältigung) und belastenden Situationen fortbilden können. Sie können darüber hinaus unterstützend bzw. supportiv parallel zu (Katastrophen-)Einsätzen oder Großschadensereignissen wie einem Zugunglück oder einem Flugzeugabsturz oder in geringem zeitlichen Abstand nach den belastenden Ereignissen erfolgen und werden von qualifizierten psychosozialen Fachleuten bzw. Psychologen und/oder von spez. ausgebildeten Berufskollegen (peer support) durchgeführt.

 Vielerorts hat sich das sog. Critical Incident Stress Management (CISM) als Methode etabliert. Darunter werden Gesprächstechniken zur Durchführung von Einzel- oder Gruppengesprächen zus.gefasst, die zum Ziel haben, i. S. einer Primärprävention die aus einem kritischen Ereignis resultierenden Auswirkungen zu mildern und Erholungsprozesse anzustoßen und zu beschleunigen. Diese bezieht sich v. a. auf den mit dem Erleben verbundenen Stress und damit verbundene Bewältigungsmöglichkeiten (Stressbearbeitung nach belastenden Einsätzen (SbE)). Diese Gesprächsangebote sind an gesunde Menschen, die normale Reaktionen auf abnormale bzw. außergewöhnliche Ereignisse zeigen, gerichtet.

Referenzen und vertiefende Literatur

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