Operationalisierung

 

(= O.) [engl. operationalization; lat. operatio Bewerkstelligung, Bemühung], [FSE, PHI], das Verfahren (oder dessen Ergebnis), eine nicht direkt beobachtbare Variable T (z. B. Leistungsmotiv, kogn. Dissonanz) für die Beobachtung bzw. für die exp. Manipulation zugänglich zu machen, indem man eine mit ihr verknüpfte, gut beobachtbare Variable (z. B. Punktzahl in einem Test; Testtheorie) B auswählt. B dient als «Indikator» für T oder als Mittel der indirekten Manipulation von T. Da T hierbei häufig in einem System theoretischer Aussagen vorkommt, spricht man auch von theoretischen Begriffen (Konstrukt). Eine O. ist notwendig, um aus einer zu prüfenden Hypothese oder Theorie Aussagen über beobachtbare Sachverhalte ableiten zu können. Wegen der Theoriegeladenheit (Theorie) der Beobachtung gibt es allerdings kein eindeutiges Kriterium dafür, was als beobachtbar und was als nicht beobachtbar zu gelten hat. Die Unterscheidung ist pragmatischer Natur und hängt vom Kontext ab. Die Zuordnungsannahme, die einen systematischen Zusammenhang zw. einer beobachtbaren und einer nicht beobachtbaren Variablen aussagt, beruht oft auf einem komplexen Gefüge von Voraussetzungen (semantische Regeln, Hilfshypothesen, Messmodelle; Faktorenanalyse, konfirmatorische, Strukturgleichungsmodelle); wer z. B. das Leistungsmotiv als Messwert im Thematischen Apperzeptionstest (TAT) operationalisiert, setzt hierbei (explizit oder implizit) testtheoretische Annahmen sowie Annahmen über den Zusammenhang zw. Motiven und Fantasietätigkeit voraus. Eine O. ist also (obwohl manchmal operationale Definition genannt) keine bloße Def. oder semantische Regel (Semantik), sondern umfasst hypothetische Annahmen bis hin zu ganzen Theorien aus der Ps. oder anderen Disziplinen. Die Begründung von Zuordnungsannahmen, ein grundlegendes Problem empir. Ps., wird auch als Konstruktvalidierung bez. (Konstruktvalidität). Operationalismus.

Verwendete Literatur

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