Organlebendspende

 

(= O.) [engl. living organ donation], [GES], die O. bez. i. R. der Transplantationsmedizin die Spende von Organen lebender Personen. Diese ist möglich bei paarig angelegten Organen (Niere, Lunge) sowie Teilen der Leber, der Bauchspeicheldrüse und des Dünndarms. In Dt. werden bisher routinemäßig nur die Niere und Teile der Leber von lebenden Spendern transplantiert. Nach dt. Recht dürfen Organe von Lebendspendern nur übertragen werden auf «Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen» (Transplantationsgesetz §8 Abs. 1 S. 2). Eine O. ist demnach auch zw. nicht verwandten Personen möglich, dabei soll jedoch die Voraussetzung einer engen persönlichen Beziehung zw. Spender und Empfänger einem möglichen Organhandel vorbeugen. Weitere gesetzliche Vorgaben für eine O. sind eine umfassende Aufklärung über die mit der Spende verbundenen Risiken und die Sicherstellung der Freiwilligkeit der Entscheidung. I. R. der Transplantationspsychologie bestehen Aufgabenfelder insbes. in der psychol. Evaluation potenzieller Spender sowie in der Erforschung des psychosozialen Outcomes der O. (z. B. Lebensqualität, postoperativ nach Transplantation).

Schwerpunkte der psychol. Evaluation sind Einwilligungsfähigkeit, Informiertheit und Freiwilligkeit der Entscheidung des potenziellen Spenders, die persönliche Verbundenheit zw. Spender und Empfänger und der Ausschluss von Organhandel. Weitere zentrale Inhalte sind die psychosoziale Situation (z. B. berufliche Auswirkungen der Spende, soziale Unterstützung), die psych. Belastbarkeit (psychische Störungen, Coping, aktuelle Belastungen, präoperative Angst) und das Gesundheitsverhalten sowie die Adhärenz in Bezug auf die erforderliche med. Nachsorge. Außerdem sollten der Entscheidungsprozess und die Motive für die Spende nachvollzogen, die Entschiedenheit des Spenders geklärt sowie geprüft werden, inwiefern die mit der Spende verbundenen Erwartungen realistisch sind.

Nach erfolgreicher O. kann sich beim Spender ein höheres Selbstwertgefühl entwickeln. Es sind aber auch neg. psych. Reaktionen und eine verringerte Lebensqualität möglich, bes. bei vorbestehenden psych. Störungen, Komplikationen aufseiten des Spenders oder einem für den Empfänger nicht erfolgreichen Verlauf. Der Großteil der Spender gibt jedoch eine gute postoperative Lebensqualität an, und die überwiegende Mehrheit würde sich erneut zur Spende bereit erklären. Allerdings besteht bzgl. des psychosozialen Outcome weiterer Forschungsbedarf. Insbes. fehlen langfristig angelegte prospektive Studien mit adäquaten Vergleichsgruppen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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