Organspendebereitschaft

 

[engl. willingness to donate organs], [GES], Bereitschaft, nach dem Tode Organe (= O.) zur Transplantation freizugeben. Dabei kann die Bereitschaft, eigene O. zu spenden, von der Zustimmung der Angehörigen, einen Verstorbenen zur Organspende (= OS.) freizugeben, abgegrenzt werden. Die indiv. Entscheidung zu spenden beruht auf kognitiven (Kognition) und affektiven (Affekt) Determinanten. Subjektive religiöse und kult. Überzeugungen, Wissen über die Transplantationsmed. und soziale Normen stellen zus. mit wahrgenommenen Vorteilen (z. B. anderen helfen), Nachteilen (z. B. die eigene Familie belasten) und Konsequenzen (z. B. Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit) der Entscheidung, Organspender zu werden, kogn. Einflussgrößen dar. Affektive Determinanten basieren auf Ängsten (vor vorzeitiger Todesdiagnose, Schmerzen bei der Organentnahme, Verstümmelung und Entstellung des Körpers, der Herausforderung des Schicksals, einem Tabubruch und Verdammnis, wenn der Körper nicht unversehrt beerdigt wird), Ekelgefühlen bei der Vorstellung, eigene O. befänden sich in einem fremden Körper, und Misstrauen gegenüber Ärzten und den mit der Transplantationsmedizin verbundenen Institutionen. Das Misstrauen bezieht sich dabei auf den würdelosen Umgang mit dem Körper bei der Organentnahme, die missbräuchliche Verwendung der O. (Organhandel), die Vorstellung, Ärzte würden das Wohlergehen von Pat. zugunsten eigener Vorteile opfern, und die Bevorzugung von Wohlhabenden bzw. Diskriminierung bei der Organvergabe. Bei der Bildung der indiv. Einstellung zur OS. spielt auch die Stärke der Auseinandersetzung mit dem Thema (Involviertheit) eine wesentliche Rolle. Mit steigender Involviertheit wächst die pos. Einstellung. Die Einstellung zur OS. ist jedoch kein eindimensionales Konstrukt, sondern wird vielmehr durch die Interaktion zweier Dimensionen beeinflusst. Auf der einen Seite steht die sog. «Prodonation», die durch persönliche Zufriedenheit und die Überzeugung des humanitären Nutzens der OS. geprägt wird. I. Ggs. dazu steht die neg. Dimension («Antidonation»), die wesentlich durch nicht kogn. Bedingungen bestimmt wird.

Bei der Zustimmung der nächsten Angehörigen zur Spende lassen sich zwei Szenarien unterscheiden: (1) Der Wunsch des Verstorbenen ist bekannt, (2) der Wunsch ist nicht bekannt. Ist die Einstellung des Verstorbenen bekannt, so wird die Entscheidung der Angehörigen in den meisten Fällen von dieser Vorgabe bestimmt. Weiterhin spielen die Zufriedenheit mit der med. Arbeit des Intensivpersonals, die Verarbeitung des Todes des Angehörigen und die Fähigkeit, in dieser Situation eine Entscheidung treffen zu können, eine Rolle. Für den Fall, dass den Familienmitgliedern der Wunsch des Verstorbenen unbekannt ist, wirken neben den genannten eine Reihe weiterer Faktoren auf die Entscheidung (Entscheiden) ein. Zum einen versucht die Familie, anhand zugeschriebener Einstellungen den Wunsch des Verstorbenen nachzuempfinden. Dies geschieht aufgrund von Informationen bzgl. der religiösen Zugehörigkeit des Verstorbenen oder seiner Einstellung zur Med. sowie seiner angenommenen Bereitschaft, anderen zu helfen. Von Bedeutung sind aber auch Überzeugungen und Werte der Angehörigen selbst (analog zum Modell der indiv. Entscheidung). Transplantationspsychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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