Paartherapie

 

(= P.) [engl. couple/partner therapy, gr. θεραπεύειν (therapeuein) heilen, dienen], [KLI], gehören heute zum integralen Bestandteil des Corpus an evidenzbasierten (Evidenzbasierung) psychoth. Interventionsmethoden und stellen eine wichtige Ergänzung und Erweiterung von Individualtherapien oder Gruppentherapien dar. P. lassen sich in versch. theoret. und therap. Ansätzen verorten, wie der Verhaltenstherapie und ihren Weiterentwicklungen, der systemischen Therapie, der Gesprächspsychotherapie oder analytischen Ansätzen (Halford & Markman, 1997). I. Ggs. zur Individualtherapie erfolgt in der P. die Behandlung eines Systems (dem Paar), wobei eine Störung des Gesamtsystems oder seiner Einzelteile vorliegen kann. Die Störung des Paarsystems ist dabei nicht nach einer DSM-5-Diagnose oder ICD-Diagnose (Klassifikation psychischer Störungen), wie bei indiv. Störungen, klassifizierbar und stellt daher i. d. R. keine kassenpflichtige Leistung dar. Paarlife, Prävention bei Paaren.

Theoretische Fundierung: Die Erkenntnisse der empirischen Forschung zu Prädiktoren für eine neg. Partnerschaftsentwicklung und ein erhöhtes Scheidungsrisiko bilden die Grundlage der P. Dieses Wissen beeinflusst die Entwicklung und Anwendung der verwendeten Methoden. Theoretisch wurzelt die moderne P. in der Systemtheorie, der sozialen und operanten Lerntheorie, Kommunikationstheorien (Kommunikation) sowie der systemisch-transaktionalen Stresstheorie (Stressmodell, transaktionales; Bodenmann, 2012).

Indikation und Ziele: P. wird bei akuten Partnerschaftskrisen, chronischen destruktiven Paarkonflikten, Trennungs- oder Scheidungsabsichten eines oder beider Partner oder immer häufiger auch bei Entfremdungsgefühlen der Partner in Anspruch genommen. Das Ziel ist in diesem Fall eine Verbesserung der Beziehungsqualität. Eine zweite Indikation von liegt in der Behandlung von indiv. Störungen (z. B. affektive Störungen, Angststörungen, Essstörungen, Sucht- und Substanzbezogenen Störungen, Sexualstörungen) vor. In diesem Fall wird eine bei einem Partner diagnostizierte Störung mittels P. behandelt. Diese Indikation ist insbes. dann gegeben, wenn entweder kovariierend eine Partnerschaftsstörung vorliegt oder die Partnerschaft als Ressource (Ressourcenorientierung) für die Behandlung der indiv. Problematik betrachtet werden kann. Basierend auf dem Konzept der We-disease (Bodenmann, 2013), ist der regelmäßige Einbezug des Partners in die Individualtherapie oder eine P. meistens indiziert.

Methoden und Behandlungsmodus: Das Methodenrepertoire der P. variiert je nach Therapieschule. Jede Richtung hat jedoch gemeinsam, dass insbes. die Kommunikation und Interaktion des Paares günstig verändert werden soll. Die Tab. zeigt das sehr breit gefächerte Methodenrepertoire der modernen Verhaltenstherapie mit Paaren (Bodenmann, 2012; Schindler et al., 2013). Im Durchschnitt dauert eine P. zur Behandlung von Partnerschaftsstörungen (1. Indikation, s. o.) zw. 20–40 Stunden. Die Sitzungen finden i. d. R. alle vierzehn Tage statt und dauern zwei Sitzungen (100–120 Min.), um ausreichend Raum für die angeleiteten Übungen zu ermöglichen. Die Sitzungen werden von einem Therapeuten alleine geleitet.

WirksamkeitMetaanalysen zur Therapieeffektivität sprechen übereinstimmend für die Wirksamkeit der verhaltenstherapeutischen P. Als wirksam gilt eine P. dann, wenn sie eine signifikante Erhöhung der Partnerschaftsqualität und -zufriedenheit und eine Verbesserung der relevanten dyadischen Kompetenzen (z. B. bezogen auf die Kommunikation) bewirken konnte. Insgesamt kann von einer Effektstärke von Cohens d = ,95 (das bedeutet einem starken Therapieeffekt im Prae-Post-Vergleich) ausgegangen werden. Rund 70 % der Paare verbesserten sich nach der Therapie und 50 % der Paare blieben auch nach der Therapie in diesem gebesserten Zustand und klin. signifikante Veränderungen gelingen in 41−55% der Paare (Shadish & Baldwin, 2005).

Verwendete Literatur

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