Pädiatrische Psychologie

 

(= PP.) [engl. pediatric psychology; gr. παῖς (pais) Knabe, Kind, ἰατρός (iatrοs) Arzt], [KLI], ist das Spezialgebiet der Klin. Ps. an der Schnittstelle zur Kinder- und Jugendmed., das sich mit dem krankheitsbezogenen Erleben und Verhalten von Kindern und Jugendlichen mit (chronischen) körperlichen Erkrankungen und mit dessen systematischer Beeinflussung beschäftigt. Die PP. wurde zunächst vom US-amerik. Psychologen Logan Wright und durch die 1969 gegründete Fachgesellschaft und inzw. als Sektion der American Psychological Association (APA) firmierende Society of Pediatric Psychology geprägt. Sie hat sich seitdem zunehmend zu einem eigenständigen Fachgebiet entwickelt. PP. wendet in enger Kooperation mit Kinder- und Jugendärzten, Krankenpflegefachkräften sowie mit pflegenden Eltern chronisch kranker (chronische Erkrankungen) Kinder und Jugendlicher (Adoleszenz) psychol. Interventionsmethoden wie z. B. Psychoedukation und Patientenschulung, Verhaltensmodifikation, psychol. Beratung und Psychoth. ein. PP. zielt darauf ab, psychosoziale Adaptation, Krankheitsbewältigung, Entwicklung, Rehabilitation und Resilienz und gesundheitsbezogene Lebensqualität zu stärken, sekundären psych. Störungen vorzubeugen und manifeste komorbide psych. Störungen (Komorbidität) zu behandeln. Dadurch wird die Eingliederung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher in Familie, unter Gleichaltrige, in Schule und Berufsausbildung gefördert. In der Pat.-schulung werden den Pat. in ihrem Entwicklungsstand angepasster Form und ihren pflegenden Angehörigen krankheits- und behandlungsbezogenes Wissen und Fertigkeiten vermittelt. Pat.schulungen werden bei Bedarf durch individualisierte Verhaltensmodifikation ergänzt, um die Therapieadhärenz (Adhärenz) und das Selbstmanagement der Erkrankung zu verbessern. PP. unterstützt chronisch kranke Kinder auch bei der Bewältigung schmerzhafter, invasiver diagn. und therap. Prozeduren. Psychotraumatologische Interventionsmethoden kommen zur Unterstützung der Bewältigung von krankheitsbedingt oder iatrogen traumatischen Erfahrungen (medical trauma) zur Anwendung (Krankheitsbewältigung). Familiäre und soziale Ressourcen werden durch psychol. Beratung mobilisiert, in enger Zus.arbeit mit der Einleitung praktischer psychosozialer Unterstützungsmaßnahmen durch Kliniksozialdienste (Konsiliar- und Liaisonarbeit). Aufgrund des steigenden Anteils chronischer Erkrankungen an der Morbidität im Kindes- und Jugendalter, besserer Überlebenschancen und längerer Überlebenszeit auch mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, die wiederum mit steigenden Anforderungen und Belastungen durch intensivere und komplexere Therapiemethoden verbunden sind, nehmen die Indikationen für psychol. Interventionen zu. Bsp. für häufige chronische Erkrankungen sind Asthma, Neurodermitis oder juveniler Diabetes, seltener sind z. B. Krebserkrankungen (Psychoonkologie), Phenylketonurie, Mukoviszidose oder Erkrankungen des blutbildenden Systems. Auch Essstörungen und Ausscheidungsstörungen, somatoforme Störungen, funktionelle Schmerzsyndrome oder gesundheitliche Folgen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung führen hiervon betroffene Kinder und Jugendliche häufig zunächst in die Kinder- und Jugendmed., wo dann durch einen psychol. Liaison- und Konsiliardienst eine direkte psychosomatisch-psychoth. Versorgung erfolgen kann. PP. ist außer in Kinder- und Jugendkliniken in med. Rehabilitationskliniken für Kinder, Jugendliche und ihre Familien und in ambulanten Nachsorgeeinrichtungen und sozialmed. Diensten vertreten. Eine neue Anwendungsform der PP. stellen Internet-Interventionen dar. Klinische Kinderpsychologie.

Verwendete Literatur

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