Panikstörung

 

(= P.) [engl. panic disorder; Panik Bez. nach dem gr. Hirtengott Pan], [KLI], Angststörung, die von wiederholten Panikattacken gekennzeichnet ist. Die Panikattacken sind spontan, das bedeutet, sie werden nicht durch best. Situationen ausgelöst, und abrupt, die Angst steigert sich innerhalb kurzer Zeit. Sie sind von einer Anzahl somatisch-vegetativer Symptome begleitet wie Herzrasen, Schmerzen in der Brust und Hyperventilation (heftiges Atmen). Danach stellen sich Angst (Erwartungsangst) vor weiteren Attacken und Sorgen um ihre Bedeutung für den Gesundheitszustand ein (z. B. die Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden).

Ätiologie: Es wird angenommen, dass eine genetische oder erworbene Vulnerabilität für körperliche Angstsymptome besteht, die bei erhöhter psych. Belastung zur ersten Panikattacke führt. Weitere Panikattacken sind das Ergebnis assoziativen Lernens. Wegen der stark furchterregenden Wirkung der Attacke kommt es zu einer Sensibilisierung gegenüber den dabei erlebten körperlichen Reaktionen, wie z. B. der Hyperventilation, sodass diese in der Folge weitere Panikattacken auszulösen vermag (Craske & Barlow, 2008). Die dabei auftretenden katastrophisierenden Missinterpretationen der körperlichen Merkmale spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle und führen über die Symptome zu Gefühlen der Gefährdung und damit zu weiteren Symptomen in einem «Teufelskreis» der Angst (Clark, 1986).

Klassifikation (Klassifikation psychischer Störungen): Gemäß dem DSM-5 handelt es sich dabei um unerwartete, klar abgrenzbare Episoden intensiver Angst, die mind. vier der folg. Symptome aufweisen müssen: Herzrasen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Erstickungsgefühle, Schmerzen in der Brust, Übelkeit, Schwindel, Derealisation, Angst vor Kontrollverlust oder zu sterben, Taubheit, Hitzewallungen. Zu den diagn. Merkmalen der P. gehören auch Angst und Besorgnis über die Panikattacken, bzw. eine Veränderung des Verhaltens nach ihrem Auftreten. Die ICD-10 (F41.0; s. Anhang I) unterscheidet weiterhin zw. einer mittelgradigen P. bei mind. vier Panikattacken in vier Wochen und einer schweren bei mind. vier Panikattacken pro Woche.

Prävalenz und Verlauf: Die lebenslängliche Auftretensprävalenz der Panikstörung wird auf etwa 3 bis 4 % geschätzt, doch leiden weitere 3 % der Bevölkerung unter subklinischen Panikattacken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer und die Geschlechter unterscheiden sich auch hinsichtlich des Beginns der Störung, die bei Frauen häufig um das 30. Lebensjahr und bei Männern um das 20. und das 40. Lebensjahr einsetzt. Die Störung kann fluktuierend verlaufen, zeigt jedoch nur in wenigen Fällen eine Remission, wenn sie unbehandelt bleibt. Die große Mehrzahl von Panikpat., nämlich nahezu 90 %, entwickelt weitere Störungen, vor allem Agoraphobie, generalisierte AngststörungHypochondrie und auch Depression.

Diagnostik: Der psychol. Untersuchung sollte eine med. Abklärung vorangestellt werden, um den Verdacht auf körperliche Ursachen (z. B. Hyperthyreose oder Asthma) zu beseitigen. Für die Diagnostik der P. und mögliche komorbide Störungen wird ein standardisiertes klinisches Interview eingesetzt. Auch bestehen eine Anzahl störungsspezif. Fragebogen, etwa zur Empfindlichkeit gegenüber körperlichen Symptomen und zu angstbezogenen Kognitionen. Um die spezif. Auslöser der Panikattacken zu bestimmen, können auch Provokationsmethoden wie Hyperventilation eingesetzt werden. Die Planung der kogn.-verhaltenstherapeutischen Behandlung (Verhaltenstherapie) erfordert eine Problemanalyse, bei der die Bedingungen untersucht werden, die die Ängste auslösen, sie verschlimmern, verringern, oder aufrechterhalten. Letztlich wird während der Behandlung von den Pat. häufig ein Tagebuch über das Vorkommen von Panikattacken, deren situative Bedingungen, körperliche Symptome und dabei ausgelöste Gedanken geführt. Angststörungen, diagnostische VerfahrenPanikstörung, Psychopharmokatherapie, Panikstörung, Psychotherapie.

Verwendete Literatur

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