Paranoid-schizoide Position

 

[KLI, PER], von der Psychoanalytikerin Melanie Klein 1946 (Klein, 1995–2002; Bemerkungen über einige schizoide Mechanismen) entwickelte Beschreibung der psych. Prozesse der ersten 3–4 Lebensmonate eines Kleinkindes. Sie schildert den Zustand und die Arbeitsweise des fragilen frühen Ichs, seine auf unbewussten Phantasien basierenden Objektbeziehungen, seine archaischen Ängste und primitiven Abwehrmechanismen, insbes. der Spaltung und der projektiven Identifizierung. Es wird angenommen, dass der Säugling von Geburt an eine höchst intensive und ambivalente, liebende wie hassende Beziehung zu seinen ersten Objekten, z. B. zu dem Partialobjekt der Brust. Die noch mangelhafte Integration seines Ichs und die wechselhaften Erlebnisse von Versagung und Befriedigung führen zu einem gespaltenen Erleben einer «guten» und einer «bösen Brust». Diese Aufspaltung vertieft sich zwangsläufig, die destruktiv-sadistischen Fantasien des Kleinkinds werden in die böse, seine Liebesstrebungen in die gute, die idealisierte Brust projiziert. Auf diese Weise, durch das Zus.-spiel von Projektion und Introjektion, Reprojektion und Reintrojektion, entsteht nach und nach eine dichotomisierte innere Welt von guten idealisierten Objekten, die ein Omnipotenzgefühl des Ichs fördern, und bösen Objekten, die zu inneren Verfolgern werden und massive Verfolgungsängste erzeugen. Während die Introjektion guter hilfreicher Objekte die Entwicklung erster Integrationsleistungen des Ichs fördert, erhöht eine übermäßig starke, abwehrbedingte Projektionstätigkeit die Fragmentierungsgefahr für das sich entwickelnde Ich. Wenn die libidinösen Strebungen (Libido) die destruktiven überwiegen, kann die Entwicklung des Ichs voranschreiten und in die depressive Position führen, in der sich das Grundanliegen des Kindes vom Überleben des Selbst hin zur Besorgnis ums Objekt verlagert.

Referenzen und vertiefende Literatur

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