Peer-Review

 

(= P.) [engl. peer Fachkollege, review Besprechung, Kritik], [FSE], als P. wird ein Prozess der Begutachtung bezeichnet, der zum Einsatz kommt, wenn jemand einen Artikel in einer wiss. Fachzeitschrift veröffentlichen möchte. Dabei senden die Herausgeber der Zeitschrift das eingereichte Manuskript an ein bis drei Wissenschaftler, die eine Begutachtung hinsichtlich allg. Kriterien vornehmen (z. B. Originalität, Aufarbeitung und Darstellung der bisherigen Forschungsbefunde, Qualität der durchgeführten Berechnungen). Auf der Grundlage der Gutachten entscheiden die Herausgeber, ob das Manuskript abgewiesen wird, direkt veröffentlicht werden kann oder ob die Autoren noch weitgehende Überarbeitungen vornehmen müssen. Überarbeitete Manuskripte werden in der Regel einem erneuten P. unterzogen. Ziel des P. ist die Qualitätssteigerung bzw. die Gewährleistung einer hohen Qualität wiss. Publikationen, dadurch, dass die Manuskripte immer von ausgewiesenen Fachexperten begutachtet werden. Seit Jahren häufen sich allerdings Stimmen, die auf Probleme des P. hinweisen. Hierzu zählen die folg. Punkte: (1) Die Bewertungskriterien lassen den Gutachtern sehr große Spielräume, wodurch die empirisch ermittelte Übereinstimmung der Gutachten selbst bei renommierten Zeitschriften sehr niedrig ausfällt. (2) Begutachtungen erfolgen oftmals nicht – wie eigentlich angestrebt – in verdeckter Form; d. h. die Gutachter wissen entweder, von wem das Manuskript stammt oder können die Autoren aus der Arbeit erschließen. Hierdurch ist es möglich, Manuskripte absichtlich pos. oder neg. zu bewerten. (3) Da meist renommierte Autoren als Gutachter in ihrem eigenen Forschungsgebiet aktiv werden, können sie die Publikation unliebsamer Forschungsergebnisse behindern. (4) In kleinen Forschungsfeldern können sich sog. Publikationskartelle bilden. Eine kleine Gruppe von Forschern begutachtet dabei fortwährend untereinander die Arbeiten der Kollegen. Durch weniger kritische Gutachten hilft man sich gegenseitig. (5) Besonders innovative Arbeiten haben es schwer, in renommierten Zeitschriften publiziert zu werden, weil sie häufig gegen den Mainstream gerichtet sind, aber von Vertretern des Mainstream begutachtet werden. (6) Das P. schränkt die Freiheit der Wissenschaft ein. Da in empirischen Wissenschaften Zeitschriftenartikel die wichtigste Form der Publikation darstellen und auf Basis dieser Publikationen über die Besetzung von Professuren und die Vergabe von Forschungsgeldern entschieden wird, besteht ein großer Druck, sich so zu verhalten, wie Gutachter und Herausgeber es wünschen. Herausgebern und Gutachtern kommt daher eine starke Machtposition zu.

Verwendete Literatur

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