Peergroup

 

(= P.) [engl. peer Ebenbürtiger, Gleichaltriger, group Gruppe], [EW, SOZ], die P. ist eine vor allem im Jugendalter bedeutsame Gruppe von Gleichen, denen sich ein Individuum zugehörig fühlt und an denen es sich orientiert, wobei sich eine im Prinzip gegebene Gleichrangigkeit oft durch ungefähre Altersgleichheit herstellt (daher die verbreitete synonyme Verwendung des Begriffs Gleichaltrigengruppe), aber auch auf Übereinstimmungen in Entwicklungsstand, Kompetenzen, Interessen und weiteren Merkmalen zurückgehen kann. Es werden zumeist interaktions- und reputationsbasierte P. unterschieden. Erstere sind soziale Netzwerke von selten mehr als einem Dutzend miteinander interagierender Individuen, die durch sozio-emot. Beziehungen variierender Stärke verbunden sind und oft auch als Cliquen bez. werden. Sie werden von außen als Einheit wahrgenommen, auch wenn sie selten abgeschlossene Gruppen sind und Mitgliedschaften wechseln können. Reputationsbasierte P. sind große Gruppen, die sich über ihren Ruf, oft auch Kleidungsstil sowie Verhalten konstitutieren bis hin zu Jugendsubkulturen wie Hippies oder Emos (Emo). Individuen, die sich mit ihnen identifizieren, können, müssen aber keine sozio-emot. Beziehungen und Interaktionen (Face-to-Face) mit anderen Mitgliedern unterhalten. Im nordamerikanischen Kontext werden solche Gruppierungen häufig als crowd bezeichnet. Ihre Bedeutung erhalten P. als Sozialisationsinstanz zw. Familie und Gesellschaft, die als Bezugsgruppen Orientierungen hinsichtlich Einstellungen und Verhalten geben, einen teilgeschützten Raum für die Erprobung und Einübung von Interaktionen (soziale Interaktion), Aushandlungen und Konflikten (Konflikt, sozialer) in (mehr oder weniger) auf Freiwilligkeit beruhenden Bezügen bieten und als Ausgleich oder Gegengewicht zur Familie, Schule und weiteren normativen Kontexten dienen und darüber auch die Selbständigkeitsentwicklung fördern können. Wegen der letzteren Funktion richteten sich nicht wenige Forschungsbemühungen auf P. als potenziellem Sozialisationskontext normverletzender und antisozialer Einstellungen (Aggression, Gewalt, Jugendkriminalität, Erklärungsansätze) und Verhaltensweisen.

Verwendete Literatur

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