Persönlichkeits-System-Interaktion, Theorie der

 

(= PSI-Theorie) [engl. theory of personality-systems-interactions], [EM, KOG], ist ein Rahmenmodell zur Erklärung von zentralen Aspekten der Persönlichkeit (z. B. Handlungsfähigkeit und Selbstwachstum) durch die affektmodulierte Interaktion zw. vier kogn. Makrosystemen. Sie ist aus dem Bestreben hervorgegangen, persönlichkeitspsychol. relevante Erkenntnisse aus versch. Teilbereichen der Ps. und Nachbardisziplinen zu integrieren und Phänomene funktionsanalytisch (d. h. die Frage betreffend: Wie wird verarbeitet?) statt inhaltszentriert (Was wird verarbeitet?) zu erklären. Ein zentraler Kern der PSI-Theorie besteht in der genauen Beschreibung, wie pos. und neg. Affekt die Aktivierung und Verbindung zw. jew. einem hochinferenten, zentral-exekutiven Makrosystem und einem niederinferenten kogn. Makrosystem moduliert. Handlungsfähigkeit ist die effiziente Umsetzung von bewussten Absichten (Intention), die im Intentionsgedächtnis (IG) (Gedächtnis) gebildet und aufrechterhalten werden, wenn Schwierigkeiten (z. B. keine automatisierten Verhaltensroutinen) vorliegen. Das IG hemmt die vorschnelle Ausführung der Absicht, um durch analytisches Denken und Planen mögliche Lösungswege mental zu simulieren, und reduziert durch die Konfrontation mit der Schwierigkeit den pos. Affekt. Um Absichten durch Überführung in die intuitive Verhaltenssteuerung (IVS) auszuführen, ist pos. Affekt erforderlich, der durch Antizipation von Erfolg, externen Zuspruch oder Selbstmotivierung bereitgestellt werden kann. Andernfalls kommt es zu Phänomenen wie Zögerlichkeit, Nichtumsetzen von eigenen Zielen (vgl. prospektive Lageorientierung: Handlungskontrolltheorie), Intrusionen und Fremdbestimmtheit. Selbstwachstum wird durch die Integration von fragmentierten, oft schmerzhaften Einzelerfahrungen aus dem Objekterkennungssystem (OES) in das Erfahrungsnetzwerk des Extensionsgedächtnisses (EG) angeregt. Das OES löst Einzelheiten zur späteren Wiedererkennung aus dem Gesamtkontext heraus und registriert in Verbindung mit neg. Affekt, ob Handlungsergebnisse oder auch andere Wahrnehmungen inkongruent zu Erwartungen und Bedürfnissen sind. Das EG, dessen persönliche Anteile das Selbst bilden, integriert vielfältige kongruente (pos.) und inkongruente (neg.) Erfahrungen in bestehende, parallel verarbeitende Netzwerke bisheriger Lebenserfahrungen, gewährleistet den Überblick über eigene Bedürfnisse, Motive, Werte, Emotionen und Handlungsoptionen. Dafür ist die selbstkonfrontative Herabregulation von neg. Affekt durch Entspannung, externen Trost oder Selbstberuhigung erforderlich (Bewältigung durch Hin- statt Wegsehen). Andernfalls kommt es zu Phänomenen wie Rumination (Grübeln, vgl. misserfolgsbezogene Lageorientierung: Handlungskontrolltheorie), Entfremdung, Selbstinfiltration und Perseveration.

Referenzen und vertiefende Literatur

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