Persönlichkeitsstörungen

 

(= P.) [engl. personality disorders], [KLI], bez. tief greifende Verhaltens- und Erlebens-Muster, die sich mit Beginn der Adoleszenz auf der Grundlage extremer Persönlichkeitszüge (Persönlichkeit) entwickeln und bis in das Erwachsenenalter andauern. Die Betroffenen weichen dabei in ihrem Denken und Fühlen (Emotionen), in der Impulskontrolle (Impulskontrollstörungen) sowie in ihrer Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen deutlich von den Erwartungen der soziokult. Umgebung ab, was zu Beeinträchtigungen der Lebensqualität sowie der sozialen und/oder beruflichen Funktionsfähigkeit führt (Renneberg et al., 2010). Phänomenologisch können P. sehr unterschiedliche Formen annehmen, so überwiegt z. B. bei der dependenten Persönlichkeitsstörung das Gefühl von anderen abhängig zu sein und die Schwierigkeit, eigenständige Entscheidungen zu fällen, während z. B. die paranoide Persönlichkeitsstörung durch querulatorische und misstrauische Erlebens- und Verhaltensweisen gekennzeichnet ist. Ein Spezifikum der P.symptomatik ist, dass sie von den Betroffenen oft als nicht krankheitswertig, sondern ich-synton erlebt wird. Nicht selten wird die Behandlung nur aufgrund der häufig komorbid auftretenden Achse-I-Störungen aufgesucht.

Ätiologie: Es existiert keine einheitliche Vorstellung zu den Ursachen von P., vielmehr liegen vielfältige spezif. Ätiologiemodelle zu den einzelnen Störungen vor. Zu den wichtigsten allg.gültigen Ansätzen gehören biopsychosoziale Erklärungsmodelle (Krankheitsmodelle), die davon ausgehen, dass sich P. in einem Spannungsfeld von Disposition und Umwelt entwickeln und durch Schutz- (Resilienz) oder Risikofaktoren pos. bzw. neg. beeinflusst werden.

Klassifikation: Klassifikatorisch werden nach der ICD-10 oder dem DSM-5 (Klassifikation psychischer Störungen) zehn spezif. P. unterschieden, die im DSM-5 auf der Basis deskriptiver Ähnlichkeiten zusätzlich drei Hauptgruppen (Cluster) zugeordnet sind. Die Klassifikation ist detailliert unter F60 in Anhang I aufgeführt.

Diagnostik: Die Diagnostik von P. erfolgt zweistufig. Im ersten Schritt wird überprüft, ob grundsätzlich eine P. nach den allg. diagn. Merkmalen vorliegt (s. oben). Im zweiten Schritt wird anhand einer kritischen Mindestanzahl spezif. Erlebens­- und Verhaltensweisen bestimmt, um welchen Subtypus es sich handelt (s. 2.). Erfüllen Betroffene die Mindestanzahl mehrerer Kriteriengruppen, kann mehr als ein Subtypus klassifiziert werden. Zur exakten Diagnostik von P. wird empfohlen standardisierte Interviews einzusetzen, z. B. das Strukturierte klinische Interview für Persönlichkeitsstörungen (SKID II) oder die International Personality Disorder Examination/ICD-10 Modul – Deutschsprachige Ausgabe (IPDE). Merkmalslisten, z. B. die Internationale Diagnosen Checkliste für Persönlichkeitsstörungen (IDCL-P), die Aachener Merkmalsliste zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen (AMPS) oder Fragebögen, z. B. der SKID-II-Fragebogen, erfüllen eine zeitökonomische Screeningfunktion. Der psychodynamische Ansatz sieht zur Diagnostik von P. eine Diagnostik auf der Strukturachse der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik (OPD-2) vor. I. R. eines modifizierten psychodynamischen Interviews wird das Strukturniveau der Betroffenen hinsichtlich vier versch. Dimensionen (Selbst- und Objektwahrnehmung, Steuerungsfähigkeit, emotionale Kommunikation und Bindung) beurteilt. Persönlichkeitsstörungen, Psychotherapie, Persönlichkeitsstörungen, Psychopharmakotherapie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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