Persönlichkeitstheorien, psychoanalytische

 

(= P.) [engl. psychoanalytic personality theories], [KLI, PER], die P. von Freud ist der Teil der Psychoanalyse, der sich mit der Persönlichkeit des Menschen beschäftigt (psychoanalytisch meist Charakter [engl. character] genannt). Hierunter verstand Freud die individualtypische Ausformung der weitgehend unbewusst ablaufenden Triebdynamik aufgrund deren frühkindlicher Geschichte. Bei zu starker Verwöhnung oder Einschränkung durch die Eltern in der analen, oralen oder phallischen Phase würden die frühkindlichen Triebimpulse fixiert und so die weitere Triebdynamik prägen (Entwicklung, psychosexueller Ansatz nach Freud). Zudem würden sich im Verlauf der Entwicklung des Ich individualtypische Abwehrmechanismen des Ich herausbilden, z. B. die Tendenz zur Verdrängung von Angstimpulsen oder zur Projektion eigener Aggressionstendenzen auf andere. Freuds Annahmen zur Charakterbildung durch Fixierung konnten empirisch nicht bestätigt werden (z. B. gibt es keinen Zus.hang zw. elterlichem Verhalten in der analen Phase mit Zwangstendenzen im Erwachenenalter). Dagegen erwies sich der von Anna Freud weiterentwickelte Ansatz, einige Persönlichkeitseigenschaften durch individualtypische Präferenzen best. Abwehrmechanismen zu erklären, als fruchtbar für die heutige Forschung zu individualtypischen Stilen der Angst- und Stressbewältigung (Coping). Ebenso fruchtbar war Freuds Annahme, dass es unbewusste Motive gibt; sie wurde von empirischen Theorien und Modellen zur Motivation aufgegriffen (heute wird eher von impliziten Motiven gesprochen, die durch indirekte Verfahren wie z. B. projektive Tests, projektive Verfahren oder implizite Assoziationstests (Impliziter Assoziationstest (IAT)) erfasst werden). Weiterentwicklungen der P. in Form der Objektbeziehungstheorien führten den späteren Charakter auf eine Internalisierung früher Objektbeziehungen (Beziehungen zu engen Bezugspersonen wie z. B. den Eltern) zurück. Auch diese Theorien und ihre Weiterentwicklung zur klass. Bindungstheorie teilten Freuds Auffassung, dass frühkindliche Erfahrungen die spätere Persönlichkeit prägen. Diese Annahme wurde jedoch inzw. durch Längsschnittstudien klar widerlegt (Persönlichkeitsstabilisierung, Mechanismen der). Da Grundbegriffe der P. wie Triebstärke, Präferenz best. Abwehrmechanismen oder unbewusste Motive mit der psychoanalytischen Methodik nicht operationalisiert sind, diese auf Deutungen freier Assoziationen beruhende Methodik anfällig gegenüber selbsterfüllenden Prophezeiungen (self-fulfilling prophecy) ist, und die P. ausschließlich auf Assoziationen von erwachsenen Pat. beruhte, ist die P. für die heutige empir. Persönlichkeitsps. als Theorie nur noch von geschichtlichem Interesse. Persönlichkeitsmodelle, tiefenpsychologische.

Referenzen und vertiefende Literatur

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