Physiognomik

 

(= P.) [engl. physiognomics; gr. φύσις (physis) Natur, γνώμη (gnome) Erkenntnis, Wissen], [KOG, PER], wörtl. Naturerkenntnis, die Lehre von der Signatur der Dinge und damit das Erschließen innerer Zusammenhänge (z. B. Wesensart) aus äußeren Erscheinungen (z. B. Form, Gestalt). In der Ps. ist P. die Lehre von den statischen Ausdrucksgehalten des Gesichts und i. w. S. des gesamten Leibes gegenüber den dynamischen (= Pantomimik). P. ist ein Teilgebiet der Ausdruckspsychologie. Die P. hat eine lange Geschichte, die einmündet in die Bemühungen, Beziehungen zw. Körperbau und Charakter herauszustellen, wie es u. a. die Forschungen von Kretschmer und Sheldon belegen (Körperbautypen). Ausgang der P. ist eine Aristoteles zu Unrecht zugeschriebene Schrift Physiognomika aus dem 2. Jhd. n. Chr., die nur an aristotelische Gedanken anknüpft und auf peripatetischen Schriften fußt. Tierköpfe mit charakteristischen Parallelen zur menschlichen Gesichtsform dienen als Ansätze. Leonardo da Vinci hat sich damit beschäftigt und Skizzen hinterlassen. Auch Giambattista della Portas De humana physiognomia (1593) ist hierfür bekannt. Neuzeitliche Ausweitung erfuhr die P. durch Joh. Caspar Lavater mit den Physiognomischen Fragmenten zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe (1778). Ihre Grundlegung im modern-wiss. Sinne erhielt die P. durch C. G. Carus (Symbolik der menschlichen Gestalt 1853), durch Darwin (Über den Ausdruck der Gemütsbewegung bei Menschen und Tieren), durch Duchenne (Physiologie der Bewegungen) und Piderit (Mimik und Physiognomik). Während die Ausdruckserscheinungen im Mienenspiel als Mimik, die Ausdruckserscheinungen in den Bewegungen der Extremitäten, den Gesten und den Gebärden Pantomimik und schließlich die Ausdruckserscheinungen in der Stimmführung als Sprechweise bezeichnet werden, versteht man unter P. erstarrte Bewegung und deren Deutung. Pathognomik.

Referenzen und vertiefende Literatur

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