Plananalyse

 

(= P.) [engl. plan analysis], [KLI], ist ein Ansatz zum Erstellen psychotherap. Fallkonzeptionen (Caspar, 2007). Historischer Vorläufer ist die Vertikale Verhaltensanalyse von Grawe. Sie entstand als Antwort auf die Frage, wie auf der Ebene der Therapiebeziehung mit «schwierigen Pat.» umzugehen sei, die sich nicht auf therap. Arbeit einlassen können, obwohl der Therapeut auf inhaltlicher und meth. Ebene alles richtig zu machen scheint. Grawe postulierte damals, dass man neben den horizontalen Aspekten (Ablauf auf der Zeitachse, auf dem der Fokus der lerntheoretischen Verhaltensanalyse liegt) die übergeordnete motivationale Struktur (vertikaler Aspekt) besser verstehen muss. Auf der Suche nach geeigneten allgemeinpsychol. Grundlagen stieß er auf Plans and the Structure of Behavior von Miller et al. (1960). Diese verwendeten den Begriff Plan für die Grundelemente der Verhaltensorganisation, die jew. Zweck UND die dafür eingesetzten Mittel umfassen und i. Ggs. zur umgangssprachlichen Bedeutung des Begriffs großenteils nicht bewusst sind. Es geht also nicht nur um explizite, sondern auch um implizite Motive und auch um nicht bewusst eingesetzte Mittel. Weil Pläne immer auch Mittel beinhalten, ist das immer wieder anzutreffende Verständnis falsch, bei Plänen i. S. der P. würde es sich um kogn. Regeln handeln. Der Ansatz, der ursprünglich nur dem Verständnis von Pat. in der Therapiebeziehung diente, wurde in den frühen 1980er-Jahren von Caspar zu einem Ansatz erweitert, der nun auch dazu diente, die Entstehung und Aufrechterhaltung der Probleme von Pat. indiv. zu verstehen. Dazu musste er zwingend auch erweitert werden, um Konzepte für das Verständnis der Verbindung von Emotionen und Kognitionen mit Plänen, u. a. m. Seither präsentiert der Ansatz sich als umfassendes Instrument für psychoth. Fallkonzeptionen, das eine Ressourcen- (Ressourcenorientierung) und eine systemische Perspektive (Systemische Therapie) einschließt und bei dem der instrumentelle Aspekt im Vordergrund steht: Wozu dient etwas (interpersonale und intrapsych. Aspekte), oder aus der ergänzenden Top-Down-Perspektive: Welche Mittel setzt ein Mensch im Dienste seiner Motive ein? Hintergrund für die Bedeutung dieser Perspektive ist, dass in der indiv. Evolution das entwickelt wird und Bestand hat, was einen Nutzen hat – wobei es dabei auch zu Entgleisungen in eine maladaptive Richtung kommt, die dann von bes. psychoth. Relevanz sind. Wenn bei einem Pat. Aspekte z. B. des zeitlichen Ablaufs oder systemische Zusammenhänge bes. wichtig sind, sollten Analyseverfahren, die ihre Stärken in diesen Aspekten haben, ergänzend beigezogen werden (vgl. Tab.).

Der Ansatz kann auf seinem heutigen Entwicklungsstand als therapieschulübergreifend verstanden werden. Er hat die gute verhaltenstherap. Tradition (Verhaltenstherapie) des Ausgehens von konkretem Verhalten und vom sorgfältigen Belegen von Interpretationen bewahrt. Andererseits hat er Möglichkeiten, Hypothesen auf ein breites Spektrum von psychoth. Konzepten zu stützen und auch u. a. intrapsych. Konflikte in die Fallkonzeption einzuschließen, dazugewonnen. Die Analyse des Bezuges von Emotionen zu Plänen ist ein guter Zugang zu Themen wie Emotionsregulation, maladaptive und therap. Transformation von Emotionen, instrumentelle Funktion von Emotionen u. a. m., die in versch. Therapieformen relevant sind. Die P. ist verbunden mit der Vorstellung, dass Psychoth. für die meisten Pat. individualisiert werden muss und dass die 1:1-Anwendung von Manualen suboptimal ist. In die Therapieplanung fließt in der Praxis erfahrener Therapeuten mit unselegierten, typischerweise komorbiden Pat. eine Vielzahl von Aspekten ein, von denen die meisten über die Diagnose hinausgehen (Caspar, 2009). Direkt aus der P. abgeleitet ist der Ansatz der Motivorientierten Beziehungsgestaltung (Caspar, 2008). Danach ist die Beziehungsebene ständig zu beachten, auch bei der Art und Weise, in der Interventionen durchgeführt werden. Pos. Pat.pläne sollten nach diesem Ansatz ohnehin unterstützt werden; spezif. ist der Ansatz bei Problemverhalten. Bei diesem ist in der Hierarchie der hypothetischen Pat.pläne nach oben zu gehen, bis die Motive selber akzeptabel (i. S. von «die Therapie nicht übermäßig einschränkend») werden. Diese Motive werden dann möglichst indiv. und spezif. (also nicht nach dem Gießkannenprinzip auf der Bedürfnisebene) befriedigt, wodurch das Problemverhalten «überflüssig» wird und, wenn gut getroffen, i. Allg. schnell nachlässt. Dieser Ansatz ist auch exp. untersucht und für wirksam befunden worden (Kramer et al., 2014).

Verwendete Literatur

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