Plastizität

 

[engl. plasticity; gr. πλαστική (plastike) das Geformte], (allg.) Formbarkeit, die zu Veränderungen von Dauer führt im Ggs. zu Elastizität, gehört zur Fähigkeit der Organismen, sich der Umwelt in der Entwicklung und bei konkreten neuen Bedingungen anzupassen.

[BIO], Neuroplastizität (= NP.) [engl. neuroplasticity], unter NP. (auch neuronale Plastizität oder Hirnplastizität) versteht man die erfahrungsbedingte (Erfahrung) Veränderung des Gehirns, die aktivitätsabhängige Adaptationsprozesse auf allen Ebenen des Nervensystems einschließlich synaptischer und intrazellulärer Prozesse, der Neurogenese (z. B. im Hippocampus), der Modifikation von Neuronennetzwerken (z. B. Hebb’sches Prinzip) und kortikalen Regionen (vgl. kortikale Plastizität) kennzeichnet. Auslösebedingungen für NP. sind neurobehaviorale Anforderungen im Kontext von Organismus-Umwelt-Interaktionen, jedoch auch Veränderungen nach zerebralen oder peripheren Schädigungen des NS (Hirnschädigung).

Man unterscheidet strukturelle und funktionelle NP. Bei der strukturellen NP. verändert sich das Hirngewebe also die Hirnanatomie. Dies können Vergrößerungen des Volumens, der Oberfläche und der Dicke der Hirnrinde sein. Auch anatomische Veränderungen der Kabelsysteme (Assoziationsbahnen und Kommissuren) können eintreten. Grundlage der strukturellen NP. sind anatomische Veränderungen an den Synapsen (Zunahme von Synapsen, Vergrößerung der Synapsenoberfläche), Neuronen (Vergrößerung der Oberfläche), der Myelinisierung und der Ausbildung von Dendriten. Bei der funktionellen NP. verändert sich die neurophysiol. Aktivierung einzelner Neurone oder ganzer Neuronengruppen. Hierbei unterscheidet man eine Zunahme der neurophysiol. Effizienz (weniger Aktivität führt zum gleichen oder besseren Ergebnis) und eine Veränderung der kohärenten Netzwerkaktivierung. Die NP. wird als Grundlage des Lernens und Gedächtnisses aufgefasst.