Plaut, Paul

 

(1894–1960), [PER, KLI, HIS], studierte von 1912 bis 1915 Phil. und Literatur in Berlin. Wie viele andere jüdische Deutsche stellte er sich im Ersten Weltkrieg für den Kriegsdienst als Freiwilliger zur Verfügung, wo er als Infanterist und im Sanitätsdienst eingesetzt war. Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf und es folgte 1920 die Promotion zum Dr. phil. in Greifswald. Bereits zu Kriegszeiten lernte er William Stern kennen und führte zus. mit ihm und Otto Lipmann kriegspsychol. Untersuchungen durch. Diese fanden auf Basis der von Stern entwickelten Methode der Psychographie statt (Plaut, 1920) und wurden teilweise veröffentlicht. In ihnen ging es um die Erhebung und Verarbeitung der Kriegssituation für die Soldaten. 1922 nahm Plaut zusätzlich das Studium der Med. auf und promovierte 1927 zum Dr. med. in Berlin. 1923 heiratete er Thekla Delphine Kneip (1899–1980). Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Ab 1923 war Plaut Assistent an dem von William Stern und Otto Lipmann in Berlin gegründeten privaten Institut für angewandte Ps. und psychol. Sammelforschung. Hauptberuflich war Paul Plaut zu dieser Zeit als Assistenzarzt am Berliner Krankenhaus Wittenau tätig und arbeitete außerdem von 1927 bis 1933 als gerichtlicher Sachverständiger. 1938 konnte Paul Plaut durch das mutige Engagement seiner Ehefrau zus. mit ihr und der Tochter über Amsterdam nach London emigrieren. Er selbst war fest davon überzeugt, dass ihn die Gewalt der Nationalsozialisten wegen seines Kriegsdienstes im Ersten Weltkrieg verschonen würde. In London war Plaut dann wieder als Gerichtsgutachter und ab 1948 als Psychiater an der Portman Clinic im National HealthProgrambis 1959 tätig. Insges. publizierte er mehr als 500 Artikel, Abstracts und Bücher (vgl. Ulrich, 1996; Köhne, 2014). In seinen psychol. Forschungen suchte Plaut nach einem Kriterium (sog. «Wesenheit») für die Produktivität von Menschen, die sie auch bzw. bes. bei Überwindung von schwierigen persönlichen und beruflichen Lagen (z. B. Misserfolge, Ideenfindung) zeigen (Plaut, 1929). Damit wandte sich Plaut vom damals gängigen Geniebegriff ab, da ihn die psych. Funktionen, die jeder produktiven Persönlichkeit zu Grunde liegen sollten, interessierten. Plaut konnte durch seine Untersuchungen, zu denen die schriftliche Befragung von Künstlern und Wissenschaftlern gehörte, zeigen, dass v. a. die Umgebungsbedingungen und persönliche Freiheit in der Ausgestaltung der Lebens- und Arbeitsumstände die Produktivität und Originalität bei Erfindungen, künstlerischen Inspirationen und Innovationen wie auch wiss. Fortschritt bedeutend beeinflussen. Seine Arbeiten in der Emigration sind in Dt. nicht rezipiert worden. Paul Plaut verstarb am 22. Januar 1960 in London.

Referenzen und vertiefende Literatur

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