Politikverdrossenheit

 

(= P.) [engl. disenchantment with politics], [SOZ], umgangssprachliche Bez. für eine Konstellation von Einstellungen (Einstellung), die durch Misstrauen, Unzufriedenheit, Ablehnung und Interesselosigkeit gegenüber dem politischen System gekennzeichnet ist. Sie zeigt sich in nachlassender Wahlbeteiligung, geringer Bindung an traditionelle Parteien, Nachwuchsproblemen bei Parteien und Gewerkschaften. Es werden zwei Formen unterschieden: (1) Politiker- und Parteienverdrossenheit als spezif. Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik und ihren Vertretern, (2) Politik- oder Staatsverdrossenheit als generelle Unzufriedenheit mit dem politischen System und seinen Institutionen. In der politikwiss. Forschung wird die Nützlichkeit des Konzepts der P. kontrovers diskutiert (Arzheimer, 2002). Die Kritik richtet sich in erster Linie auf die fehlende Eindeutigkeit des Konzepts sowie auf dessen starke inhaltliche Überlappung mit bereits etablierten politikwiss. Theorien, die das mit dem P.-Begriff beschriebene Phänomen gleichermaßen erklären können. P. ist ein Thema mit langer Tradition: Der schlafmützige «Deutsche Michel» wurde bereits im 16. Jh. geschaffen, um das Volk zu politisieren. Rosenberg (1954) führte politisches Desinteresse (Apathie) auf drei Ursachenkomplexe zurück: neg. Konsequenzen politischer Aktivität, Erfolglosigkeit politischer Aktivität und fehlender Ansporn zur Partizipation. Durch Kombination von politischer Unzufriedenheit und Partizipationsbereitschaft (Politische Partizipation) lassen sich vier Typen konstruieren (Janas & Preiser, 1999): (1) sehr Unzufriedene und wenig Engagierte (Resignierte), (2) sehr Zufriedene und wenig Engagierte (apathisch Zufriedene), (3) sehr Unzufriedene und stark Engagierte (Revolutionäre mit eher unkonventioneller Partizipation) und (4) sehr Zufriedene und stark Engagierte (Funktionäre mit eher loyaler und systemkonformer Partizipation).

Referenzen und vertiefende Literatur

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