Pornografie

 

(= P.) [engl. pornography; gr. πόρνη (porne) Prostituierte, Hure, γράφειν (graphein) schreiben], [MD, SOZ], ist ein Sammelbegriff für mediale Darstellungen, die gemäß einer inhaltlich-funktionalen Def. (1) nackte Körper und sexuelle Aktivitäten detailliert zeigen und (2) primär zum Zweck der sexuellen Stimulation produziert und rezipiert werden. Juristisch wird Hardcore-P., die reale Sexualakte zeigt und gemäß Kinder- und Jugendschutzbestimmungen Erwachsenen vorbehalten ist, von Softcore-P. abgegrenzt, die den Sexualakt nur simuliert und auch für Jugendliche freigegeben ist (z. B. Erotik-Clips im Fernsehen). Neben legaler P. existiert illegale P. (v. a. Tier-, Gewalt-, Jugend- und Kinderp.), deren Produktion und Verbreitung in Dt. verboten ist, wobei bei Kinder- und Jugendp. (d. h. Abbildungen von realem sexuellem Missbrauch an Minderjährigen) bereits der Besitz strafbar ist.

Legale P. existiert in sehr vielen Medienformaten (z. B. Geschichten, Zeichnungen, computergenerierte Grafiken, Videospiele, Fotos, Videos) und ist besonders durch das Internet in historisch einmalig großer Fülle und Vielfalt diskret und kostengünstig überall zugänglich. Neben der Mainstream-P., die sich v. a. an ein heterosexuelles männliches Publikum sowie zunehmend auch an heterosexuelle Paare richtet, haben sich diverse Non-Mainstream-P. entwickelt (z. B. Frauen- bzw. feministische P., authentische Lesben-P., Schwulen-P., queere P., P. unterschiedlicher sexueller Spezialkulturen).

Neben der Mediengewalt gilt die Mediensexualität und insbes. die P. als ihre expliziteste Erscheinungsform als bes. problematischer Medieninhalt, der eine Reihe neg. Medienwirkungen hervorbringen kann. P. als fiktionale Mediengattung inszeniert sexuelle Fantasien und enthält oft außeralltägliche, normverletzende und tabuisierte Motive. Eine unkritische Orientierung an P. kann somit unrealistische Vorstellungen über Sexualität vermitteln, aggressives und riskantes Sexualverhalten fördern oder Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und Sexualleben erzeugen. Die insbes. in der Mainstream-P. vorherrschenden Geschlechterstereotype und ethnischen Stereotype werden im Zusammenhang mit Sexismus und Rassismus problematisiert, da sie Einstellungen und Verhalten des Publikums entspr. beeinflussen können. Die sofortige sexuelle Gratifikation, die masturbatorischer P.konsum vermittelt, kann unter best. Bedingungen zu exzessiver Medien- bzw. Internetnutzung i. S. suchtähnlichen oder zwanghaften Mediennutzungsverhaltens (Mediennutzungsforschung) führen. Andererseits zeigen sich empirisch auch pos. Wirkungen der P.nutzung wie z. B. gesteigerte Selbstakzeptanz (z. B. bei Homosexualität, Transidentität), verbesserte Partnerkommunikation oder sexuelle Horizonterweiterung. Die meisten Menschen nehmen bei sich selbst keine oder eher pos. P.wirkungen wahr und schreiben neg. Wirkungen v. a. anderen Personen zu (Third-Person-Effekt). Die zunehmende Verbreitung und Nutzung sexuell expliziter Mediendarstellungen wird auf gesellschaftlicher Ebene als Trend zur Sexualisierung und Pornografisierung beschrieben.

Referenzen und vertiefende Literatur

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