Prinzip der Reflexivität

 

(= P.) [engl. principle of reflexivity; lat. re- zurück, flectere beugen, richten], [FSE, SOZ], ist eines der zentralen Grundprinzipien der qual. Interviewforschung (qualitative (Leitfaden-)Interviews), das zudem auf dem Problem des Fremdverstehens beruht und sich methodologisch auch aus dem Sozialkonstruktivismus ableiten lässt. Dieser besagt, dass es keine obj. Wirklichkeit gibt. Somit operieren auch Sozialforscher innerhalb ihrer Erkenntnisprozesse vor dem Hintergrund ihrer selektiven und subj. – bzw. spezif. gesellschaftlich konstruierten – Wirklichkeiten. Statt Objektivität als Ziel von Wissenschaft zu formulieren, rückt die Intersubjektivität von Erkenntnissen in den Mittelpunkt. Diese wird im Forschungsprozess jedoch nur durch eine Sensibilisierung (sensitizing concepts) auf die eigenen «Selbstauslegungen im Akt des Fremdverstehens» erreicht (Verfremdungshaltung). Diese notwendige Reflexivität des Erkenntnisprozesses wird auch als ein zentrales Merkmal der Grounded-Theory-Methodologie hervorgehoben (Breuer, 2009): Während Forscher das Verstehen des Fremden anstreben, müssen Forscher das eigene Verstehen verstehen (Kruse, 2013). Die Beforschung des eigenen Forschens ist demnach die Voraussetzung für den validen Erkenntnisgewinn; andernfalls bleiben die Ergebnisse tautologisch i.d.S., dass Wissen reproduziert und nicht «generiert» wird. Diese reflektierte Subjektivität (Steinke, 1999) als Mittel der Erlangung von Intersubjektivität ist damit auch ein zentrales Güteprinzip.

Referenzen und vertiefende Literatur

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