Problemzentriertes Interview (PZI)

 

[FSE, SOZ], ist insbes. von Andreas Witzel (2000) entwickelt worden und zielt mit seinem Forschungsinteresse auf unterschiedliche soziale Problemstellungen, die aus der Sicht der Befragten dargestellt und erörtert werden sollen. Somit basiert das PZI, anders als z. B. das narrative Interview, nicht auf einem rein textorientierten Sinnverstehen, sondern auf einem problemorientierten Sinnverstehen (Helfferich, 2009), innerhalb dessen der Interviewende eigenes, oftmals theoretisches Vorwissen in deduktiver Weise nutzt und u. U. die Befragten damit auch im Interview konfrontiert. Das PZI wird leitfadengestützt (qualitative (Leitfaden-)Interviews) geführt. Dieser Leitfaden enthält Fragen, die auf jenes theoretische und problemorientierte Vorwissen rekurrieren. Das PZI weist damit oftmals eine phasenweise sehr dialogische Form auf. Mit dem PZI positioniert sich Witzel explizit in einer «dialektischen» Art und Weise auf dem Kontinuum von einem induktiven versus einem deduktiven Ansatz. In Hinblick auf das Prinzip der Offenheit innerhalb der qualitativen Sozialforschung kann sich somit das PZI als eine nicht unproblematische Kommunikationsstrategie in der Datengenerierungssituation erweisen, je nachdem, wie die Ausgestaltung des Induktiv-Deduktiv-Wechselspiels gewichtet wird (Forschungsprozess). In der Forschungspraxis zeigt sich dabei auch, dass das Kommunikationsmuster des PZI oftmals stark dem von Beratungskommunikation ähnelt, womit sich aber eine wiederum nicht unproblematische Vermischungen der Gesprächsführungsgattungen Interview und Beratungskommunikation ergeben kann (Helfferich, 2009).

Referenzen und vertiefende Literatur

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