Professionalisierung, ärztliche

 

(= P.) [engl. professionalization; lat. professio öffentliche Erklärung, Beruf], [GES], bez. die Entwicklung von Professionalismus (oder professioneller Kompetenz) in der Aus- und Weiterbildung. In der Entwicklung von Ausbildungs- und Forschungsformaten bzgl. P. spiegelt sich ein verändertes gesellschaftliches Verständnis von im ärztlichen Beruf notwendigen Kompetenzen (Kompetenzmodelle, arbeits- und organsationspsychologische) wider. Mit einem immer komplexer werdenden, sich rasch verändernden Berufsumfeld mit überall und rasch verfügbarem Wissen, kommt der Ausbildung persönlicher Kompetenzen größere Bedeutung zu. Während in der Vergangenheit die Persönlichkeit vorwiegend als gegeben und stabil angesehen wurde, geht man heute davon aus, dass professionelle persönliche und interpersonale Fähigkeiten und Haltungen entwickelt und gefördert werden können. So entwickelten sich die Bereiche der kontinuierlichen professionellen Entwicklung [engl. continuous professional development] und des selbstgesteuerten lebenslangen Lernens [engl. self-induced lifelong learning] Lernen, selbstgesteuertes, Lernen, lebenslanges). Die Förderung der P. rückte durch wiss. Hinweise, dass professionelle Fähigkeiten und Haltungen, wie z. B. Empathie (Empathie, ärztliche), Patientenorientierung, moralisches Urteilsvermögen und berufliches Engagement im Zuge der Ausbildung abnehmen und dass auch Pat. den Mangel professioneller Fähigkeiten bei Ärzten häufiger beklagen als mangelndes Wissen oder Fähigkeiten in den Fokus der Aus- und Weiterbildung.  Dadurch entstanden internat. Anstrengungen, sich der Entwicklung professioneller Kompetenzen, der P. von Ärzten im Studium und in der Aus- und Weiterbildung anzunehmen und diese zu fördern. Da es bei professioneller Kompetenz nicht nur um kogn. (Kognition), sondern ebenso motivational-affektive (Motivation, Affekt) Faktoren geht, scheint die rein kogn. Vermittlung relevanter Themen in diesem Zusammenhang fraglich ausreichend. Wie in anderen Bereichen, in denen prozessorientierte oder praktische Fähigkeiten entwickelt werden sollen (z. B. Psychotherapieausbildung, Managementtraining, Professionalisierung von Lehrkräften) wird praxisbegleitende SupervisionCoaching und Reflexion (oder Metakognition) von im Berufsalltag auftretenden persönlichen und interpersonalen Schwierigkeiten als notwendig erachtet. Wie in der P. von Lehrkräften gibt es im internat. Ausbildungskontext zunehmend Ausbildungsformate, die die Entwicklung professioneller Fähigkeiten unterstützen. Dabei stehen neben der Vermittlung theoret. Wissens vor allem die Reflexion erfahrungsbasierter Problemstellungen sowie die Entwicklung von Lösungen, die der jew. Situation und der eigenen Person gemäß sind, im Vordergrund.

Referenzen und vertiefende Literatur

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