Prolaktinerhöhung unter Psychopharmakotherapie

 

(= P.) [engl. prolactin enhancement during psychopharmacotherapy], auch: Hyperprolaktinämie, [PHA], Insbes. unter der Einnahme von Antipsychotika, seltener und in geringerem Maße auch bei einer Behandlung mit Antidepressiva, kann es zu einer Erhöhung der Prolaktinkonzentration im Blut kommen. Die Sekretion von Prolaktin steht unter inhibitorischem Einfluss von Dopamin. Dopaminrezeptoren finden sich in hoher Dichte auf den laktotrophen Zellen des Hypophysenvorderlappens. Werden diese durch Antipsychotika (Dopaminrezeptor-Antagonisten) gehemmt, kommt es zu einer Enthemmung der Prolaktinsekretion. Die Prolaktinkonzentration kann bei prämenopausalen Frauen bis zu zehnfach ansteigen, bei Männern und bei postmenopausalen Frauen ist der Anstieg geringer ausgeprägt. Eine bes. starke P. wird unter den Benzamiden Amisulprid und Sulpirid, unter Risperidon und unter klassischen Antipsychotika wie Haloperidol beobachtet. Eine P. kann bei Frauen zu einer Vergrößerung der Brustdrüse und zur Milchsekretion (= Galaktorrhoe) sowie zum Ausbleiben der Menstruation (= Amenorrhoe) führen. Bei beiden Geschlechtern kann eine P. auch zur Verringerung der Libido führen. Es ist umstritten, ob eine langfristig bestehende Hyperprolaktinämie, wie sie unter antipsychotischer Therapie vorkommt, zu einer beschleunigten Abnahme der Knochenmineraldichte (= Osteoporose) kommt.