prosoziales Motivsystem

 

(= PMS.), [EM, PER, SOZ], das PMS. lässt sich als eine überdauernde Disposition beschreiben, die die Initiierung, Richtung, Intensität und Dauer der Hilfsbereitschaft bedingt. Prosoziale Motivation bezieht sich auf die Aktivierung von zielgerichtetem Handeln (Handlung) in realen oder vorgestellten sozialen Situationen, die für andere Personen oder die Gesellschaft vorteilhaft sind (prosoziales Verhalten). Die Motivation ist das Ergebnis eines zugrunde liegenden PMS. (Motiv) unter best. situativen Anregungsbedingungen. Relevante situative Faktoren für die Aktivierung prosozialer Motivation sind (a) die Art des Hilfesituation, z. B. die Dringlichkeit, spontanes vs. geplantes Auftreten, und (b) die Beziehung zu dem Betroffenen, z. B. Bekanntheitsgrad mit dem Betroffenen, Gruppenzugehörigkeit (ingroup, outgroup).

Zwei Formen egoistischer prosozialer Motivation als Handlungsimpulse für Hilfehandlungen lassen sich unterscheiden: (1) Personen erwarten pos. Ergebnisse, z. B. finanziellen Gewinn, soziale Anerkennung, oder pos. Gefühle (Gefühl) über sich selbst. (2) Das Erleben der neg. Situation eines anderen führt zu eigenem Unbehagen und die Hilfehandlungen dienen dazu, das eigene Unwohlsein zu reduzieren oder zu beenden (oder auch Vermeiden solcher Situationen). I. Ggs. zur egoistischen prosozialen Motivation ist die altruistische Motivation (Altruismus) unmittelbar auf den Betroffenen gerichtet. Gemäß der Empathie-Altruismus-Hypothese ist Empathie ein zentraler Vorläufer für Hilfehandlungen (Batson et al., 2002). Empathie führt zu einer stellvertretenden Identifikation mit der Person und löst altruistische Motivation aus. Dies geht über die Reduktion des eigenen Unwohlseins hinaus. Neben situativen Determinanten spielen auch Personenvariablen, z. B. Verträglichkeit (Agreeableness), soziales Annerkennungsmotiv, moralische Überzeugungen (Moral) und empathische Selbstwirksamkeit (Selbstwirksamkeitserwartung), eine zentrale Rolle, um das prosoziale Motiv und damit verbundenes prosoziales Handeln vorherzusagen. Verträglichkeit sagt Helfen vorher, wenn die Zielperson ein Fremder ist und keine Dringlichkeit vorliegt, ist aber nicht vorhersagekräftig, wenn die Hilfehandlungen auf Beziehungspersonen gerichtet sind. Verantwortlichkeit und Verpflichtung sind moralisch basierte Überzeugungen, die das Helfen beeinflussen. Selbstwirksamkeit bezogen auf Empathie und Regulation von Hilfssituationen (empathic self-efficacy beliefs) ist ein wichtiger Faktor, da die Überzeugung, etwas unternehmen zu können, für die Initiierung von Hilfehandlungen notwendig ist. Sozialer Ausschluss (social exclusion) reduziert Hilfsbereitschaft und ist vermittelt durch reduzierte Empathie (z. B. Twenge et al., 2007).

Das PMS. hat eine universelle biol. Grundlage. So wurde eine angeb. Tendenz des Helfens unter genetisch verwandten Personen (Altruismus, inklusiver) nachgewiesen. Altruistische prosoziale Motivation ist aber nicht auf Verwandtschaft begrenzt. Als soziale Wesen haben sich bei Menschen auch Kooperationen nicht verwandter Individuen i. S. einer natürlichen Selektion bewährt. Nicht verwandte Personen helfen einander, wenn sie bereits voneinander Hilfe erhalten haben oder zukünftig Hilfe erwarten (Altruismus, reziproker). Reziprozitätserwartungen und Verwandtschaftseffekte sind über Kulturen invariant, aber prosoziale Motive können kult. in Abhängigkeit sozialer Normen (Normen, soziale) variieren (z. B. Miller et al., 1990). Die Wichtigkeit von Werten der Selbstranszendenz (selftranscendence) (z. B. Universalimus und Wohlwollen), die die Gleichheit mit anderen betonen und Sorge für das Wohlergehen der anderen wecken, variieren kult. und sind verbunden mit Verträglichkeit (agreeableness) und andauernder Tendenz der Hilfsbereitschaft. Kosmopolitismus.

Referenzen und vertiefende Literatur

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