Psychoedukation

 

(= P.) [engl. psychoeducation; gr. ψυχή (psyche) Seele, Hauch, lat. educare erziehen], [GES, KLI], unter P. versteht man Interventionen, die sich auf die Information und Motivierung von Pat. und ggf. auch ihrer Angehörigen mit Blick auf die Erkrankung und ihre sachgerechte Behandlung richten. Es geht darum, Krankheitsverständnis und -akzeptanz zu erhöhen sowie Empowerment und Selbstmanagement zu erreichen. P., die v. a. bei Menschen mit psych. Erkrankungen entwickelt wurde, entspricht dabei konzeptionell weitgehend der Patientenschulung, die im Bereich chronischer (körperlicher) Erkrankungen ausgearbeitet wurde. Während der Begriff Edukation bereits von Paul Dubois im Jahr 1908 als Teil seiner Persuationstherapie verwendet wurde, finden sich ausdrückliche Konzepte zur P. erst in den 1980er-Jahren, als die Ärztin C. M. Anderson in den USA darunter die Aufklärung von schizophrenen Pat. (Schizophrenie) und ihren Familienangehörigen über die Symptome und den Verlauf der Erkrankung sowie die Förderung sozialer Kompetenzen und die Verbesserung der Beziehungen innerhalb der Familie sowie die Verbesserung der Stressbewältigung verstand. Historisch wird P. häufig in einen engen Zus.hang mit der Ausbreitung verhaltenstherap. Behandlungskonzepte gestellt, weil in der Verhaltenstherapie das Wissen des Pat. über seine Erkrankung und die sachgerechte Behandlung sowie seine Motivation (Selbstmanagement) immer schon eine bes. Rolle gespielt haben. Während P. in der ersten Zeit überwiegend als Schulung und Unterrichtung über das Krankheitsgeschehen verstanden wurde und die Förderung von Complicance/Adhärenz ein wichtiges Ziel darstellte, wenden modernere Konzepte eher ein partizipatives Vorgehen an und versuchen einem umfassenderen, aber auch strukturierten und didaktisch ausgearbeiteten Ansatz zu folgen, der das zu vermittelnde Wissen in den Zus.hang mit Einstellungen, Lebensstil und Motivation stellt und insbes. auf ein verändertes Krankheits- und Gesundheitsverhalten, einschließlich Rückfallprophylaxe, abstellt. In Abgrenzung zu diesem weitverbreiteten Begriffsverständnis wird in Kanada, spez. im frankophonen Teil, unter P. ein spezif., tiefenpsychol. orientierter heilpäd. Ansatz in der Arbeit mit Kindern, z. B. in Heimen, verstanden (Tiefenpsychologie). Heute wird P. als wesentlicher Baustein eines Gesamtbehandlungskonzeptes bei allen psych. Störungen verstanden – mit störungsspezif. Schwerpunkten und Inhalten. Sie erfolgt zumeist im Gruppensetting. Dies hat nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch didaktische, weil i. R. des Gruppenprogramms die Gruppe bzw. die Erfahrungen der jew. anderen Gruppenmitglieder und der Austausch mit ihnen in der Gruppenarbeit sinnvoll genutzt werden können. Es werden auch zunehmend mehr Gruppenprogramme/Manuale für die P. erstellt und evaluiert. Sie enthalten häufig auch sorgfältig ausgearbeitete und erprobte Informationsmaterialien für Pat. Die manualisierte Ausarbeitung ist schließlich Grundlage für Übertragbarkeit und wiss.-empir. Evaluation und darauf fußende Weiterentwicklung. Trotz der breiten Einsatzmöglichkeiten von P. ist auch an ihre Grenzen zu denken. Insbes. für schwer psych. kranke Menschen mit akuter schizophrener Psychose (Schizophrenie), bei denen erhebliche Einschränkungen der Denk-, Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsfähigkeit oder geringe Gruppenfähigkeit vorliegen, dürfte eine Gruppenteilnahme kontraindiziert sein. In diesen oder ähnlichen Fällen ist immer zu überlegen, ob der Pat. von der Gruppe profitieren kann. In diesen Fällen wird sich die P. auf die indiv. Vermittlung notwendiger und unterstützender Informationen konzentrieren. Im Unterschied zur Psychotherapie geht es bei der P. primär um die Vermittlung von Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen, die zur Bewältigung der Erkrankung (Krankheitsbewältigung) hilfreich sein können, während die Psychoth. die Lösung psych. Konfliktlagen/Probleme anstrebt. Gerade bei der kognitiven Verhaltenstherapie sind aber Übergänge bzw. Überschneidungen nicht zu leugnen, denn diese betont auch die Veränderung dysfunktionaler Einstellungen, Denkweisen und Verhaltensweisen und die Art des Umgangs mit Problemen. Letztlich werden in der P. auch über weite Strecken psychoth. Elemente verwendet und Psychoth. kommt nicht ohne informierende, schulende Anteile aus.

Verwendete Literatur

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