psychogalvanische Reaktion (PGR)

 

[engl. GSR galvanic skin response, EDR electro dermatic reaction; gr. ψυχή (psyche) Seele, Hauchauch, frz. galvanique mit Gleichstrom behandelt], syn. GHR galvanische Hautreaktion, heute: EDA (elektrodermale Aktivität), [BIO]. Die zuerst von G. Fontaine beobachtete, dann von C. Féré und J. Tarchanoff beschriebene, im Anschluss daran bes. von O. Veraguth untersuchte Erscheinung, dass sich die elektrische Leitfähigkeit bzw. der Widerstand, den die Haut einem durch sie geleiteten schwachen (2 bis 10 mA/cm) Gleichstrom bietet, beim Eintreten sensorischer Reize, motorischer Reaktionen oder best. seelischer Prozesse in charakteristischer Form ändert: rasches Absinken (Negativierung), darauf wieder langsames Ansteigen des Widerstandes (exosomatischer galvanischer Hautreflex). Eine gleichartige Erscheinung, rasches Absinken (Negativierung), dann langsames Ansteigen, kann auch bei der Messung von Aktionspotenzialen der Haut (also ohne Verwendung einer äußeren Stromquelle) beobachtet werden (endosomatische galvanische Hautreaktion). Der Entstehungsmechanismus der Erscheinungen ist noch nicht völlig geklärt. Doch scheint die Hautwiderstandsänderung im Wesentlichen von der (Innervierungs-)Aktivität der Schweißdrüsen bestimmt zu sein (und nicht so sehr von der absolut produzierten Schweißmenge). Die psychol. Bedeutung der EDA-Kennwerte ergibt sich aus der Steuerung der Schweißdrüsen ausschließlich durch den Sympathikus (Gehirn). In der Praxis unterscheidet man: (1) Basalwiderstand (Basiswerte, Grundniveau). Langzeitige Änderungen, die sich während des Tagesablaufes, beim Lösen von Aufgaben und in Zus.hang mit emotionalen Umstimmungen ergeben. (2) Die PGR i. e. S. (SCR bzw. SRR s. u.) besteht in zusätzlichen kurzfristigen, z. T. mehrphasigen Senkungen des Hautwiderstandes, die durch äußere oder auch innere Stimulation (Spontanfluktuation, Spontanschwankungen) ausgelöst werden können. Gemessen wird die EDA üblicherweise mit spez. Elektroden an den Handflächen, deren Schweißdrüsen in bes. Weise am Emotionsgeschehen beteiligt sind (Boucsein, 1992).

In der Psychophysiologie (psychophysiologische Methodik) werden v. a. die kurzfristigen Änderungen zur Untersuchung z. B. des Aktivierungsniveaus oder zur Abschätzung der Intensität zugeordneter Emotionen herangezogen. Während diese phasischen Änderungen sich i. d. R. nur in einem Bereich von weniger als 300 Ohm abspielen, schwanken die Änderungen des (tonischen) Grundwiderstandes sowohl zw. Personen als auch innerhalb ein und derselben Person zw. 10 und 500 KOhm.

Zur besseren begrifflichen Klärung des Phänomenbereiches schlugen Venables und Martin (1967) im engl. Sprachraum folg. eindeutigere Bez. vor, die als Kürzel auch im dt. Sprachraum übernommen wurde: SRR (skin resistance response, Hautwiderstandsreaktion); SRL (skin resistance level, Hautwiderstandsniveau), SCR (skin conductance response, Hautleitfähigkeitsreaktion. Reziprokwert des Widerstandes), SCL (skin conductance level, Hautleitfähigkeitsniveau. Reziprokwert des Widerstandes), SPR (skin potential response, Hautpotenzialreaktion), SPL (skin potential level, Hautpotenzialniveau).

Verwendete Literatur

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