Psychohygiene

 

(= P.) [engl. psychohygiene; gr. Ὑγίεια (hygieia) gr. Göttin der Gesundheit], [KLI], historisch bedeutsame Disziplin, deren Aufgaben in einem grundlegenden Programm schon im Jahre 1907 festgelegt wurden. Die Hauptpunkte waren in ihrer damaligen Formulierung: (1) Sorge für die Erhaltung der seelischen und geistigen Gesundheit und Verhütung von «Geistes- und Gemütskrankheiten», (2) Vervollkommnung der Behandlung, Pflege und Überwachung der «Geistes- und Gemütskranken», (3) Aufklärung über die Bedeutung der seelischen und geistigen Anomalien für die Erziehung, für das Berufs- und Wirtschaftsleben sowie für die Ausübung von Verbrechen. Diese Aufgaben, nämlich die Behandlung und Nacherziehung des kranken Menschen, die Aufklärung seiner Umweltpersonen (neg. P.) und die Erhaltung der seelischen und geistigen Gesundheit in der Gesellschaft sowie die Verhütung von Neurosen und Psychosen, Süchten und Verbrechen durch wirksame, psychol. fundierte päd. und psychagogische, soziale und politische Maßnahmen (prohibitive P., Psychoprophylaxe) bildeten die Grundziele der P. Geschichtlich ist daran zu erinnern, dass zu allen Zeiten die geistig-seelische Gesundheit als «hygienische» und erzieherische Aufgabe erkannt worden ist. Sämtliche Kulturvölker des Altertums lassen entspr. Bemühungen erkennen. Für das 19. Jhd. und Dt. sei an Hufeland erinnert. Der Gießener Psychiater R. Sommer (1864–1937) gründete einen dt. Verband für ps. Hygiene. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Begriff der P. i. S. der nationalsozialistischen Doktrin politisch instrumentalisiert, was insbes. durch Umbenennung des Verbands in «Dt. Verband für psych. Hygiene und Rassenhygiene» deutlich wird. 1948 sind die psychohygienischen Gesellschaften in der Weltföderation für seelische Gesundheit (WFMH – World Federation for Mental Health) zus.gefasst. P. ist auch Aufgabe der UNESCO. therapeutische GemeinschaftGemeindepsychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

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