psychopathische Persönlichkeit

 

(= p. P.) [engl. psychopathic personality], syn. persönlichkeitsbasierte Psychopathie, [DIA, KLI, PER, RF], stellt einen Ansatz zur Beschreibung der Psychopathie dar, der ohne das Auftreten kriminell-delinquenten oder antisozialen Verhaltens messbar ist. Dieser Ansatz hebt sich somit von der ursprünglichen Def. der Psychopathie nach Cleckley ab und hilft, die Konzepte der Psychopathie und der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung voneinander zu trennen. Ein teilweise persönlichkeitsbasiertes Modell (Persönlichkeit) der Psychopathie bildet die Grundlage des am häufigsten im forensischen Bereich eingesetzten Psychopathie-Inventars, der Psychopathy Checklist − Revised (PCL-R) nach Hare (1991). Dieser argumentiert, dass zwar ein großer Teil der Psychopathen in Haft Anzeichen antisozialer Persönlichkeitsstörung zeigt, da diese in diagn. Katalogen vorwiegend verhaltensbasiert definiert ist, jedoch umgekehrt nur ein geringer Teil der antisozial Persönlichkeitsgestörten tatsächlich als Psychopathen beschrieben werden können. Ebenso beschreibt er die Existenz des «erfolgreichen Psychopathen» (z. B. Babiak & Hare, 2006), der zwar eine hohe Ausprägung psychopathischer Persönlichkeitseigenschaften (Persönlichkeitsmerkmal) aufweist, aber diese derart einzusetzen weiß, dass er nicht nur nicht mit dem Gesetz in Konflikt gerät, sondern darüber hinaus beruflich überdurchschnittlich erfolgreich ist. Hares PCL-R hat somit zwei große Faktoren, von denen der erste rein persönlichkeitsbasiert ist und der zweite einen sozial-devianten Lebenswandel abbildet. Ein rein persönlichkeitsbasiertes Model der Psychopathie erfasst das von Lilienfeld & Andrews (1996) entwickelte Psychopathic Personality Inventory (PPI). Dieses Selbstberichtsinventar (Selbstbericht) erfasst Items aus acht Skalen (z. B. Kaltherzigkeit, Furchtlosigkeit, Egozentrizität), von denen jedoch keines kriminelles Verhalten erfasst. Es ist somit in der Lage, sowohl die Kern-Persönlichkeitsmerkmale der Psychopathie zu messen als auch innerhalb einer Population erheblich mehr Varianz zu erfassen als die PCL-R, da diese als Fremdrating u. a. aufgrund der Kriminalakte des zu diagnostizierenden Individuums geratet wird.

Referenzen und vertiefende Literatur

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