Psychopharmakotherapie

 

(= P.) [engl. psychopharmacotherapy], s. Gebietsüberblick «Psychopharmakologie», [PHA], wichtige therap. Modalität innerhalb der Psychiatrie, die sich die Wirkungen von Arzneimitteln (Psychopharmaka) auf Denken, Stimmung und Handeln des Menschen i. R. der Behandlung psychische Störungen zunutze macht. Die ältere Neuropharmakologie befasst sich mit den Effekten von Medikamenten auf Nervenzellen, die Neuropsychopharmakologie integriert beide Ansätze, um durch das Verständnis der Wirkungen von Arzneimitteln auf Nervenzellen und Systeme von Nervenzellen deren gestörte Funktion i. R. von psych. Erkrankungen zu beeinflussen. Die Therapie von psych. Erkrankungen mit Psychopharmaka hat seit 1952 ältere Somatotherapien wie Insulin- und Cardiozolschock vollst. und Elektrokrampftherapie weitgehend abgelöst. Heute werden Pharmakotherapie und Psychotherapie, insbes. Verhaltenstherapie, i. R. eines indiv. Gesamtbehandlungsplanes für die meisten Störungen kombiniert. Die P. orientiert sich heute zunehmend an Zielsyndromen über nosologische Grenzen hinweg. Wichtige Felder der P. sind die Prädiktionsforschung (mit dem Bemühen um die Entwicklung von Biomarkern für ein Therapieansprechen), die Therapieevaluation und die Pharmakovigilanz. Die Pharmakotherapieevaluation wird meist gegen etablierte Referenzsubstanzen durchgeführt, für die Zulassung neuer Pharmaka sind Placebokontrollen notwendig (Placebo-Effekt). 60 Jahre nach der Einführung der ersten Psychopharmaka spricht man von der «Krise der P.», da innovative Therapiekonzepte fehlen und sich mehrere pharmazeutische Konzerne wegen des hohen Risikos der Forschung mit Psychopharmaka (die Entwicklungskosten für ein neues Arzneimittel betragen mind. 1 Mrd. USD) aus dem Gebiet zurückgezogen haben.

Referenzen und vertiefende Literatur

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