Psychophysik

 

(= P.) [engl. psychophysics; gr. ψυχή (psyche) Seele, φύσις (physis) Natur], [WA], die Wissenschaft von den Beziehungen zw. physischen Reizen und den ihnen entspr. Erlebnissen (Erleben, Empfindung). Das Interesse der P. richtete sich im Laufe ihrer historischen Entwicklung auf versch. Teilprobleme. Das älteste Problem der P. ist die Bestimmung von Reizschwellen und Unterschiedsschwellen für die versch. Sinnesempfindungen. Weber entdeckte 1834 bei Untersuchungen über den Tastsinn die nach ihm benannte Regelhaftigkeit (Weber-Fechner-Gesetz), dass die relative Intensitätsunterschiedsschwelle (zumindest in mittleren Reizbereichen) eine Konstante darstellt. Fechner und Müller entwickelten die wichtigsten Methoden zur Bestimmung von Reiz- und Unterschiedsschwellen. psychophysische Methoden.

Fechner, der als Begründer der wiss. P. gilt, leitete aus dem Weber’schen Gesetz unter Hinzufügung der Annahme, dass ebenmerkliche Unterschiede über die ganze Skala der Reizgrößen hinweg subj. gleich groß seien, das nach ihm benannte Fechner’sches GesetzE = k log R + c ab, wonach die Empfindungen E in arithmetischer Reihe wachsen, wenn die Reize R in geometrischer Reihe zunehmen. Plateau (1872) und Merkel (1888) gingen nicht, wie Fechner, von Schwellenbestimmungen und Zusatzannahmen über die Größe ebenmerklicher Empfindungsunterschiede aus, um die Empfindungsgrößen zu skalieren (indirekte Skalierungsmethoden), sondern benutzten Verfahren, die eine direkte Beurteilung der Größenbeziehungen von Empfindungen durch die Vp erforderten, heute als direkteSkalierungsmethoden bez. (Skalierung, Methoden der). So entwickelte der Erstgenannte die Methode der mittleren Abstufung, welche die Herstellung eines Reizes verlangt, der empfindungsmäßig in der Mitte zw. zwei vorgegebenen Reizen liegt. Letzterer wandte bereits die Verhältnisherstellungsmethode an, indem er Reizstärken subj. verdoppeln ließ. Die Beziehung der solcherart gewonnenen subj. Skalenwerte Psi zu den Reizwerten Phi entsprach nicht dem Fechner’schen Gesetz, sondern, wie Stevens (1957) für versch. Sinnesgebiete bestätigen konnte, einem PotenzgesetzPsi%3Dk%5Ccdot%20Phi%5E%7Bn%7D. Dies ist gleichbedeutend mit einer doppelt-logarithmischen Abhängigkeit log Psi = n log Phi + k.

Neben der Diskussion über die Diskrepanzen zw. den beiden mittels versch. Methoden gewonnenen Gesetzen wird von Anbeginn der P. an auch eine Kontroverse über die Ursachen des Zustandekommens einer einfach- bzw. doppelt-logarithmischen Reizempfindungs-Urteils-Beziehung geführt. Die Transformation könnte am Übergang von Reiz zu physiol. Sinnerregung, von Sinneserregung zu Empfindung oder von Empfindung zu quant. Urteil stattfinden. Im Vordergrund der Auseinandersetzung steht einerseits die Hypothese einer elektrophysiol. Transformation von Reiz zu nervöser Erregung, andererseits die Deutung i. S. von Lernprozessen, aufgrund derer den Empfindungen unterschiedlicher Intensität best. quant. formulierte Urteile zugeordnet werden. Signalentdeckungstheorie, Ankerreiz.

Verwendete Literatur

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