Psychophysiognomik

 

(= P.) [engl. psycho-physiognomics; gr. ψυχή (psyche) Seele, φύσις (physis) Natur, γνώμη (gnome) Erkenntnis, Wissen], [PER], veralteter Ansatz. Vertreter der P. nahmen an, dass man aus den Gesichtszügen und der Schädelform eines Menschen etwas über dessen Persönlichkeit und besondere Begabungen ablesen kann. Hierzu wurden weit mehr als 100 Deutungsareale definiert (z. B. Augenabstand, Ohrgröße, Nasenbreite, Wölbungen an versch. Schädelstellen) die jew. mehrere Ausprägungen annehmen können. Z. B. schrieb man Menschen mit großen Ohrläppchen ein besonderes wirtschaftliches Geschick zu. Die Ursprünge der P. werden bis auf Aristoteles zurückgeführt, der angeblich die These vertreten hat, dass Menschen, wenn ihr Gesicht dem eines best. Tieres ähnelt, auch die vermeintlichen Eigenschaften des Tieres haben sollten (z. B. Schafsgesicht = Genügsamkeit, Dummheit). Über die Jhd. wurde die P. immer wieder neu belebt, nachdem sie zw.zeitlich in Vergessenheit geraten war. Es gibt weder eine zeitgenössische Theorie über die Entstehung der behaupteten Zusammenhänge noch existieren empirische Belege. Zudem gibt es mehrere meth. Defizite, die sie als fragwürdige diagn. Methode qualifizieren. Einige zentrale Probleme: (1) Die meisten Deutungsareale sind auf dem Schädel nicht eindeutig lokalisiert. (2) Die meisten Deutungsareale liegen unter der behaarten Kopfhaut und entziehen sich daher der Diagnose. (3) Es gibt keine eindeutigen Def. zur Ausprägung best. Merkmale (z. B. zu der Frage, ab wann ein Ohrläppchen als klein, mittel oder groß zu bez. ist). (4) Es gibt keine Messinstrumente, alles unterliegt dem Augenschein. (5) Es existieren keine Regeln, wie Dutzende von Einzeldeutungen pro Schädel zu einer Gesamtdiagnose integriert werden sollen. (6) Versch. Deutungskataloge widersprechen einander. (7) Manche Vertreter zogen auch Kriterien wie Kleidung oder Haartracht heran, die kult. Einflüssen unterliegen. Typologie, Körperbautypen.

Verwendete Literatur

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