psychophysiologische Methodik

 

[engl. psychophysiological methods], [BIO, DIA, WA], die Wahl psychophysiol. Untersuchungsmethoden ist von der Blickrichtung bestimmt: Sind in einer Untersuchung die psychol. oder die physiol. Maße abh. bzw. unabh. Variablen i. S. eines Experiments oder wird die gemeinsame Veränderung (Kovariation, Korrelation) betrachtet? Allg. ist zw. Untersuchungen unter Laborbedingungen und unter Alltagsbedingungen (psychophysiologisches Monitoring) zu unterscheiden. Zur Labormethodik gehören exemplarische psychol. Aufgaben (Paradigmen), die psychophysische Reaktionsmuster provozieren, bspw. die Betrachtung emot. stimulierender Bilder, Aufmerksamkeitstests, Rechenaufgaben und andere Anforderungen. Wegen der – innerhalb der zumutbaren Grenzen – meist nur geringen Reaktionsintensität und wegen mangelnder Lebensnähe ist die externe Validität der Ergebnisse fraglich. Auch die im Labor notwendige Immobilisierung der Untersuchten erlaubt i. d. R. nur eine enge Auswahl von Aufgaben, ohne die Option, integrierte biobehaviorale Muster zu erfassen.

Nach Janke (1969) sind vier Untersuchungstypen zu unterscheiden: (1) Induktionbest. Umweltvariationen (definierte Einzelreize, komplexe Situationen), (2) Variation der Intensität oder Qualität von Verhaltens- bzw. Erlebensmerkmalen, (3) Variation physiol. Prozesse durch Läsionen, Reizungen oder chemische Manipulation (Pharmaka), jew. mit Beobachtung oder Messung der damit korrespondierenden Änderungen der Verhaltens- und/oder Erlebensmerkmale bzw. der damit verbundenen physiol. Veränderungen, sowie (4) Rückmeldung der Verlaufsstruktureinzelner oder mehrerer biol. Parameter an die untersuchte Person und Beobachtung der Lern- und Konditionierungsprozesse, BiofeedbackStemmler (2001) gliedert aus differentiell-psychol. Sicht in verschiedene Assessmentstrategien (Assessment, ambulantes) bzw. Datenerhebungspläne (Datenerhebungsverfahren) zur Erfassung und Vorhersage von indiv. Differenzen nach dem Bereich des Konstrukts (Modi: Variation zw. Personen, Settings/Situationen, Variablen oder Kombinationen hiervon), nach dem entspr. Modus der Operationalisierungen und dem Modus des Anwendungsbereichs.

Als kortikale Psychophysiologie (= P.) und peripher-physiol. P. werden zwei Bereiche der P. unterschieden. Kortikale P. bezieht sich auf die indirekt, d. h. äußerlich von Kopfelektroden abgeleitete elektromagnetische Hirnaktivität (Elektrodiagnostik), wobei zw. der spontanen und der reaktiven Aktivität (evozierte Potentiale) zu unterscheiden ist. Das EEG erfasst jedoch nur die elektrophysiol. Veränderungen in den äußersten Zellschichten der Hirnrinde (Kortex); diese Repräsentation ist wegen der indiv. versch. Struktur und Furchung des Kortex räumlich verzerrt. Deshalb wird versucht, durch eine große Anzahl von Ableitelektroden, durch räumliche Projektionen und Umrechnungen sowie durch Hinzunahme magnetischer Aktivität (Magnetenzephalografie) und bildgebender Verfahren (bildgebende Verfahren, u. a. funktionelle Magnetresonanztomografie, fMRT) zutreffendere Aussagen zu gewinnen.

Alle anderen, nicht am Gehirn, sondern an best. Organen (Effektorganen) gemessenen Funktionen werden als peripher bezeichnet. Diese Funktionen unterliegen zwar der zentralnervösen Kontrolle, repräsentieren jedoch auch die lokalen Bedingungen und Wechselwirkungen mit anderen Funktionssystemen und Umgebungsbedingungen. Dies gilt für die Augenbewegungen (Okulomotorik) ebenso wie für den Blutdruck oder die Sekretion der Hormone. Die Veränderungen, z. B. von Herz-Kreislauf-Funktionen, interessieren in diesem Zusammenhang i. d. R. nur als Indikatoren zentralnervöser Prozesse. Die peripheren vegetativen Reaktionen während einer Emotion oder einer motivierten Verhaltenssequenz sind wahrscheinlich die geeigneteren Hinweise auf die Aktivität in den Strukturen des limbischen Systems als das – aus größerer räumlicher Nähe – abgeleitete EEG. Als große Funktionsbereiche sind das vegetativ-endokrine System, das mit dem Immunsystem zus.hängt, und das motorische System zu nennen. Da in der P. i. Allg. nur nicht invasive («unblutige») Methoden verwendet werden und klin.-chemische bzw. biochemische Bestimmungen an geeignete Labormöglichkeiten geknüpft sind, kann i. d. R. nur eine sehr begrenzte Auswahl physiol. Messungen für psychophysiol. Fragestellungen genutzt werden.

Bei der Interpretation der physiol. Messwerte müssen u. a. die Ausgangsbedingungen, der Kontext in physiol. und behavioraler Hinsicht und zweifellos auch der Erlebniskontext (Antizipationen, Versuchserleben) berücksichtigt werden. Abgesehen von der Messtechnik gibt es einige spez. Methodenprobleme: die Def. und Reproduzierbarkeit der Ausgangsbedingungen und der Laboraufgaben, die adäquate Veränderungsmessung (Reaktionsskalierung), die Ausgangswert-Abhängigkeiten, die Verteilungs- und Kennlinienprobleme (nicht lineare Beziehungen), die Muster und Verläufe der Aktivierungsprozesse und die Modellierung einzelner Komponenten der vegetativen Steuerung. Die am häufigsten verwendeten Biosignale bzw. physiol. Parameter sind – mit Abk. und hauptsächlicher Indikatorfunktion – in der Tab. aufgeführt. Atmungsmessung, Impedanzkardiographie (IKG), Herzschlagwahrnehmung, Spirometrie.

Verwendete Literatur

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