Psychosomatik, psychosomatische Medizin

 

(= PSM) [engl. psychosomatics, psychosomatic medicine; gr. ψυχή (psyche) Seele, σῶμα (soma) Körper], [KLI], die PSM beschäftigt sich traditionell mit der Interaktion von psychosozialen Faktoren und körperlichen Prozessen im Kontext von Erkrankungen, bei denen körperliche Symptome, durchaus mit organischem Substrat, im Vordergrund stehen, ohne dass zwangsläufig ein organischer Krankheitsprozess eindeutig identifizierbar ist. Der Begriff der PSM lässt sich auf Johann Christian August Heinroth (1773–1849) zurückführen, der im Jahr 1811 auf eine Professur für Psychol. Therapie berufen wurde. Er betonte, dass eine Person nicht auf den Körper allein, aber auch nicht nur auf die Seele reduziert werden könne, sondern als ganzer Mensch betrachtet werden müsse. Als PSM wird einerseits ein Ansatz bei der Erklärung und Behandlung solcher Erkrankungen unter Berücksichtigung psych. Faktoren bez., spez. in Dt. stellt die PSM aber auch eine med. Fachdisziplin mit entspr. Facharztweiterbildung und spez. Behandlungseinrichtungen dar. In den USA ist die PSM ein Teilgebiet des Faches Psychiatrie. In Dt. gibt es deutliche Überlappungen zw. der psychiatrischen und psychosomatischen Krankenversorgung, die PSM beschäftigt sich zunehmend auch mit psych. Störungen (z. B. Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen). V. a. in ihren Anfängen lag ein Schwerpunkt der PSM auf best. körperlichen Erkrankungen (z. B. essenzielle Hypertonie, Ulcusduodeni, atopische Dermatitis, Asthma, rheumatoide Arthritis). Basierend auf tiefenpsychol. Konzepten (Tiefenpsychologie, z. B. F. Alexander) wurde die Organpathologie auf best. innerpsych. Konflikte zurückgeführt, die ihren Ursprung in der frühen Kindheit haben, und die dann bei entspr. gegebener Organdisposition zur Organpathologie führen. Dieser vornehmlich auf best. «psychosomatische» Krankheitsbilder ausgerichtete und tiefenpsychol. orientierte Ansatz wird zunehmend zugunsten biopsychosozialer Modelle aufgegeben, denen zufolge grundsätzlich jede körperliche Erkrankung als Resultat des Zus.wirkens physiol., psych. und psychosozialer Faktoren zu verstehen und zu behandeln ist (Krankheitsmodelle), wobei je nach theoretischer Perspektive Lernprozesse und/oder tiefenpsychol. zu erklärende konflikthafte Verarbeitungsmechanismen als entscheidend betrachtet werden. Dementsprechend erfolgt eine Behandlung auf Grundlage der PSM stets auch psychoth.

Referenzen und vertiefende Literatur

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