qualitative Rekrutierungsverfahren

 

(= q.R.) [engl. qualitative recruitment procedures; lat. qualis welcher Art/Beschaffenheit, recrescere nachwachsen], [FSE], in der qualitative Sozialforschung beruhen qual. Samples nicht wie in der standardisierten Sozialforschung auf dem Grundprinzip stat. Fallauswahlprinzipien, sondern auf dem Prinzip der bewussten Auswahl von max. und min. kontrastierenden Fällen, um so die Heterogenität des Feldes berücksichtigen zu können (qualitative Fallauswahl). Um in der Forschungspraxis konkrete Fälle heranziehen zu können (Wolff, 2003), bieten sich versch. Rekrutierungsstrategien an (s. auch Kruse, 2013). Hierzu gehören insbes. (1) Schneeballsystem: Hierbei werden Personen angesprochen, die wiederum andere ansprechen sollen, die wiederum andere ansprechen sollen usw., um so die geeigneten Interviewpersonen in Hinblick auf die Sampleüberlegungen zu finden. Dieses Verfahren ist nicht unproblematisch, da sich die Frage stellt, welche systematischen Lücken ein solch generiertes Sample in Hinblick auf die eigentliche Heterogenität des Feldes aufweist. Denn es ist nicht garantiert, dass das Schneeballsystem überhaupt in sehr unterschiedliche soziale Felder vordringen kann. (2) Gatekeeper bzw. Multiplikatoren: Es werden Gatekeeper («Türsteher»), die über einen bes. guten Überblick über bzw. Zugang zu potenziellen Stichprobenmitgliedern verfügen, gebeten, passende Fälle herauszufinden bzw. zu benennen oder auszusuchen und anzusprechen, ob sie an dem Forschungsprojekt teilnehmen würden. Diese Strategie ist v. a. dann üblich, wenn Interviewpartner aus best. Institutionen und Organisationen gesucht werden, wie z. B. Ämtern, Behörden oder Firmen, aber auch dann, wenn in vertrauensvollen Feldern Interviewpartner gesucht werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Ansatz, Multiplikatoren einzusetzen, die einen Vertrauensstatus in dem betreffenden sozialen Feld genießen und hierüber potenzielle Interviewpersonen überzeugen können, an der Studie teilzunehmen, bzw. weitere Personen instruieren können, Pbn zu rekrutieren. Die Auswahl von geeigneten Interviewpersonen über einen Gatekeeper bzw. über Multiplikatoren ist immer dann sinnvoll, wenn über solch einen vermittelnden Zugang leichter Interviewpersonen gefunden werden können. Diese Rekrutierungsstrategie ist jedoch ebenfalls nicht unproblematisch, denn der Gatekeeper/Multiplikator kann eigene Strategien der Fallauswahl verfolgen: So könnte z. B. ein Firmenchef Mitarbeiter als Pbn vorschlagen, von denen er weiß, dass diese die Firma sehr pos. darstellen werden. Somit könnten die i. R. des Forschungsprojektes durchgeführten Überlegungen der Fallauswahl regelrecht korrumpiert werden. (3) Versch. direkte Recherchestrategien: Es gibt eine ganze Reihe direkter Recherchestrategien für die Rekrutierung von Fällen wie die Suche über Telefonbücher, über Internetpräsenzen (Homepages, Chatrooms, Foren, Mailinglisten) oder über Anzeigen aufgeben in Zeitschriften, Zeitungen und Anzeigenblättern bzw. über Anzeigen rezipieren oder auch über pick-up (direktes Aufgreifen vor Ort). (4) Gestufte und kombinierte Verfahren: Hier werden versch. Rekrutierungsstrategien gleichzeitig oder nacheinander angewendet. Ziel ist es erstens, über die unterschiedlichen Zugangswege unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen, und zweitens, die unterschiedlichen Verzerrungen, die durch jede Rekrutierungsstrategie gegeben sind, auszugleichen. Stichprobe.

Referenzen und vertiefende Literatur

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