Ratingskala

 

(= R.) [engl. rating scale; rating Bewertung, Einschätzung], [FSE], eine abgestufte, mehrstufige Skala, oft mit etikettierten Kategorien, auf der der Befragte seine Antwort auf eine Frage ausdrücken soll. Ein typ. Bsp. ist die Likert-Skala, eine fünfstufige bipolare Zustimmungs- bis Ablehnungsskala, meist bezeichnet mit «trifft voll und ganz zu», «trifft zu», «teils/teils», «trifft nicht zu» bzw. «trifft überhaupt nicht zu». Die Antwortkategorien werden codiert von 1 bis 5 oder von -2 bis +2. Antwortet der Befrage also auf die Aussage «Ich bin ein geselliger Mensch» mit «trifft zu», dann erhält er den Antwortwert «4» bzw. «+1» .

[DIA, KLI], mehrfache Bedeutung: Antwortskala und Verfahrensgruppe. Als Antwortskala bezeichnet der Begriff das Antwortformat bei der Bewertung eines Items (z. B. mehrstufig hinsichtlich Schweregrad oder Häufigkeit). Als Verfahrensgruppe in Form von Beurteilungsskalen, die meist mittels faktorenanalytischer Methoden (Faktorenanalyse) konstruiert worden sind und dazu dienen, versch. Facetten einer psych. Störung abzubilden. Unterschieden wird zw. ein- und mehrdimensionalen Ratingskalen. Bei eindimensionalen Ratingskalen wird nur eine Dimension erfasst (z. B. Depressivität), während in mehrdimensionalen Ratingskalen versch. Facetten psych. Störung abbildbar sind (z. B. Ängstlichkeit, Depressivität, vegetative Symptomatik). Innerhalb der Ratingskalen wird weiterhin zw. sog. Selbstbeurteilungsverfahren und  Fremdbeurteilungsverfahren unterschieden. In der Forschung wird im Hinblick auf stat. Analysen meist Ordinal- oder Intervallskalenniveau (Skalenniveau) angenommen (z. B. non-parametrische bzw. parametrische Varianzanalyse bei Gruppenvergleichen).

[SOZ], in der Sozialps. werden Ratingskalen vor allem zur abgestuften Erfassung/Schätzung einer i. d. R. als latent kontinuierlich angenommenen Einstellung (= E.) verwendet. Die E. werden vorwiegend nach vier Dimensionen gemessen: Richtung, Grad, Intensität, Bedeutsamkeit. In der Hauptsache sind fünf Arten von Skalen entwickelt worden: (1) die Skala für soziale Distanz, (2) die Skala nach der Methode des Paarvergleichs und der gleich erscheinenden Intervalle (Thurstone-Skala), (3) die Skala nach der Methode der Wertadditionen (Likert-Skala), (4) die Skalenanalyse nach Guttman (Skalogrammanalyse) und (5) die Skalenunterscheidungsmethode nach Kilpatrick. Bei der Methode der gleich erscheinenden Intervalle (z. B. nach Thurstone) ist zu berücksichtigen, dass die Zuordnung von Feststellungen (statements, item) zu Skalenwerten von extremen E. der Zuordner beeinflusst werden können (Hovland & Sherif, 1952). Am Pol der eigenen Einstellung wird sehr gut differenziert, wogegen neutrale und entgegengesetzte Feststellungen sehr wenig differenziert werden. Verschiebungen der Beurteilungen der Items sind verschieden erklärt worden: (1) Nach der Adaptationstheorie ist die Lage der Nullpunkte nicht nur von den Reihenreizen abhängig, sondern auch von den in der Erfahrung häufigeren Feststellungen des Pols, der einer extremen Einstellung entspricht. (2) Nach dem Range-Frequency-Modell von Parducci (1965) werden die gleichen Feststellungen versch. Werten zugeordnet in Abhängigkeit von der subj. (psychol.) Erstreckung der Bewertungen und von den gewohnheitsmäßig festen Proportionen, in denen die Urteilskategorien verwendet werden. (3) Nach dem Gummiband-Modell von Volkman (1951) bestimmt nur die subj. Erstreckung (der Umfang der Bewertungen) die gewohnheitsmäßig benutzte Zahl der Kategorien. Da bei der Methode der Beurteiler-Einschätzung der Feststellungen (Items) sowohl die Zahl der Items als auch die Zahl der Kategorien festliegt, sind die Endpunkte der subj. Erstreckungen der Beurteiler entscheidend. Es kann Beurteiler geben, bei denen ein Beurteilungspol außerhalb der angebotenen Feststellungen liegt (out-of-range judges). Stroebe (1971) hat der Analyse dieser Modelle ein weiteres hinzugefügt, in dem berücksichtigt wird, dass die Beurteilungen der Items nicht nur auf der Dimension «Zustimmung – Ablehnung» variieren. Beobachtung, Beurteilerübereinstimmung, Skalierung, Methoden der, Rasch-Modell, ordinales, semantisches Differenzial.

Referenzen und vertiefende Literatur

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