Raumkognition

 

(= R.) [engl. spatial cognition; lat. cognoscere erkennen], [KOG], ist ein etwas unscharfer Sammelbegriff für ein in den 1970er Jahren begonnenes und in den letzten Jahren zunehmend interdisziplinär (unter Beteiligung von Biologie, Geografie, Informatik, Linguistik, Neurologie, Philosophie) ausgerichtetes Forschungsgebiet, das Strukturen und Prozesse der raum- und umweltbezogenen Informationsverarbeitung bei Mensch, Tier und Maschinen untersucht. R. spielt bei einer Vielzahl von menschlichen Aktivitäten eine Rolle und hilft, verschiedenste Arten von Problemen zu lösen (Problemlösen), die selbst nicht unbedingt räumlicher Natur sein müssen (s. z. B. räumliche Heuristiken). Insbesondere beim Menschen verweist der Begriff der R. auf mentale und neurale Prozesse der Verarbeitung und Nutzung von Raumrepräsentation, also z. B. auf Prozesse und Strukturen, die mit der Aufnahme, dem Erwerb, der Speicherung, des Abrufes, der Auswahl, der Umwandlung, der Manipulation oder der Versprachlichung von Rauminformation zu tun haben. Kennzeichnend für die Forschung zur R. ist die Beschäftigung mit räumlichen Eigenschaften und Relationen wie Distanzen, Richtungen, Lokationen, Größen, Mustern, Invarianten, Formen, Pfaden, Plätzen, Gebieten, Karten, Bewegungen. Die große Mobilität des Menschen in versch. Räumen und Umwelten (z. B. Gebäuden, Städten, Straßen, unter Wasser, Gebirgen, Wüsten, im Weltraum, in virtuellen Umgebungen), z. T. unter Nutzung technischer Hilfsmittel (z. B. Karten, GPS-Navigation, 3-D-Brillen) erfordert eine robuste und dennoch flexibel funktionierende R. Raum, Raumwahrnehmung, Raumorientierung, räumliches Navigieren.

Referenzen und vertiefende Literatur

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