Reaktanz, Reaktanztheorie

 

(= R.) [engl. reactance; lat. re- zurück, actio Handlung], [SOZ], erklärt die Reaktionen von Personen, deren Handlungs- bzw. Entscheidungsfreiheit bedroht ist. R. ist eine motivationale (Motivation) Erregung mit dem Ziel, die bedrohte Freiheit wiederherzustellen. Freiheit impliziert, zw. Alternativen wählen oder eine Handlung ausführen zu können (Erfahrung, Gewohnheit, Regeln oder Beobachtung). Eine Freiheit ist bedroht, wenn die Ausübung der Handlung schwieriger bis unmöglich geworden ist. Die Stärke der R. steigt mit der Wichtigkeit der eingeengten Freiheit, dem Umfang des (subj.) Freiheitsverlustes und der Stärke der Einengung. Die motivationale Erregung wird abgebaut durch (1) direkte Wiederherstellung der Freiheit (zu tun, was verboten, oder zu lassen, was geboten wurde, ist die effektivste Art der Wiederherstellung einer Freiheit); (2) indirekte Wiederherstellung der Freiheit (z. B. ein anderes, aber vergleichbares Verhalten ausüben oder aber in einer anderen Situation das bedrohte Verhalten zeigen); (3) Aggression (die einengende Instanz kann körperlich oder psych. attackiert werden, damit die Freiheitseinengung aufgehoben wird) und (4) Attraktivitätsveränderungen (die verbotene Alternative wird attraktiver, die gebotene weniger attraktiv). In typischen Laborexp. zur Prüfung der R.-Theorie wird für die Vpn die Freiheit der Wahl zw. drei Handlungsalternativen etabliert; anschl. wird die zweitattraktivste Alternative durch Ge- oder Verbot bedroht. Als abhängige Variable wird die Attraktivität der bedrohten Alternative erhoben. Bei Geboten zeigt sich der R.-Effekt als niedrige Attraktivität und bei Verboten als hohe Attraktivität der kritischen Alternative. Neben den situativen Determinanten von R. wird psychol. R. auch als Disposition diskutiert. Die R.-Theorie kann Reaktionen auf Ge- und Verbote in unterschiedlichen Alltagssituationen erklären bzw. vorhersagen: z. B. in der Erziehung, in der Massenkommunikation, der Werbung oder im Gesundheitsbereich. Reaktanz, gesundheitliche Aspekte.

Referenzen und vertiefende Literatur

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