Replikationsstudie

 

(= R.) [engl. replication crisis; lat. replicare wiederholen], [FSE]. Wiederholte Durchführung einer Studie, die der Replikation der Befunde einer Vorgängerstudie dient. Ziel ist die Prüfung der Gültigkeit oder Stabilität der Befunde der Originalstudie.

Konzeptionelle R. prüfen die Stabilität von Studienbefunden unter veränderten Bedingungen. Es wird geprüft, ob z. B. Abwandlungen im Untersuchungsdesign (z. B. Variation der Untersuchungsstimuli, Dauer der Präsentation, Labor vs. Feld), Darbietungsformen (z. B. PC vs Smartphone) oder Populationseigenschaften (z. B. Erw. vs. Jugendl.) den Studienbefund kritisch beeinflussen bzw. moderieren (Variable, moderierende). Das Erkenntnisziel besteht insbes. darin, die Generalisierbarkeit vs. Spezifität von Befunden zu bestimmen (Validität, externe).

Direkte R. [engl. close replications] stellen die Untersuchungsanlage möglichst originalgetreu nach. Eine Studie gilt als direkt replizierbar, wenn unabh. Forscher die Befunde in der R. repoduzieren können.  Für die angemessene Durchführung und Dokumentation direkte R. haben Brandt et al. (2014) eine Checkliste mit 36 Punkte zu Studienmerkmale aus folg. Themenbereichen erstellt: (1) Genaue Beschreibung der zu replizierenden Effekte und Methoden, (2) Möglichst exakte Umsetzung der Methodik der Originalstudien (Akquise der Pbn, Instuktionen, Stimuli, Messinstrumente, Durchführung, Auswertung), (3) Angemessene Teststärke, (4) Transparente, detaillierte Dokumentation der Informationen der R., (5) Kritisch vergeichende Evaluatin der Replikationsbefunde. Direkte R. erfordern i. d. R. höhere Fallzahlen als die Originalstudie und es ist möglich das Originaldesigns so zu erweitern, sodass der Einfluss von z. B. moderierenden Drittvariablen (Variable, moderierende) auf den zu replizierenden Studienbefund identifiziert werden können.

Direkte Replizierbarkeit ist ein wichtiges Kriterium der Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Nützlichkeit wiss. Forschung. Die Bedeutung von R. hat in den 2010er Jahren aufgrund der sog. Replikationskrise an Bedeutung gewonnen, sodass direkte R. in stärkerem Maße auch Gegenstand psychol. Forschung und Forschungsförderung sind und zunehmend eingefordert werden. Open science.

Referenzen und vertiefende Literatur

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