Révész, Géza

 

(1878–1955), [HIS, KOG, WA], war Ungar jüdischer Herkunft; er studierte in Budapest Jura und promovierte 1902. In Göttingen arbeitete er anschließend bei Georg Elias Müller im Bereich der exp. Ps. (experimentelle Psychologie) und promovierte 1906 mit einer experimental­psychol. Arbeit zur Farbwahrnehmung. 1908 erhielt er an der Universität Budapest eine Privatdozentur für experimentelle Ps. Er lehrte auch an der Budapester Militärakademie und gilt als Pionier, da er der militärischen Ausbildung eine päd. Grundlage gab, indem er (zus. mit Gustav Kafka) psychol. Tests entwickelte. Nach dem Krieg wurde Révész zum ordentlichen Professor für Ps. ernannt und eröffnete das erste psychol. Universitätslaboratorium in Ungarn. Nach dem Aufkommen antidemokratischer und antisemitischer Tendenzen in Ungarn emigrierte er 1920 in die Niederlande. Ab 1923 lehrte er Industrieps., und nach Annahme der niederländischen Staatsbürgerschaft wurde er 1931 Professor der Ps. an der Universität Amsterdam und Direktor des Ps. Laboratoriums. 1935 begründete er zus. mit David Katz die Zeitschrift «Acta Psychologica». Die Zeitschrift wurde in der NS-Zeit zu einer Fachzeitschrift der dt. Emigranten. Révész blieb bis zu seinem Tod Herausgeber. Während der NS-Diktatur unterstützte er Zwangsemigranten wie Otto Selz. Révész untersuchte und testete u. a. das musikalische Wunderkind Ervin Nyíregyházi (1903–1987); diese Arbeit gilt als erste psychol. Untersuchung einer musikalischen Hochbegabung (Hochbegabung, intellektuelle). Révész gilt durch seine Untersuchungen und sein zweibändiges Werk zum Tastsinn (1938) als «Vater der Blindenpsychologie», er forschte aber auch über Sprache und Denken. In Siófok am Balaton sind eine Straße und ein Fußballstadion nach Révész benannt. 1948 erhielt Révész von der Universität Würzburg die Ehrendoktorwürde (Dr. phil. h.c.). Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) verlieh Révész die Ehrenmitgliedschaft.

Referenzen und vertiefende Literatur

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