Rezeptor

 

(= R.) [engl. receptor; lat. recipere aufnehmen], [BIO, WA], Empfänger, Empfangsorgan, vielfach gleichbedeutend mit Sinnesorgan; während Sinne auch als Aufnahmeorgane entspr. den subj. erlebbaren Sinnesqualitäten verstanden wurden, bez. R. (1) in der Sinnesphysiologie reizaufnehmende und verarbeitende (codierende) Strukturen, deren Aktivität u. U. nicht unbedingt perzeptive Erlebnisse (Perzeption) hervorrufen muss, wie z. B. die versch. Chemor. im Hypothalamus oder Pressor. zur Steuerung des Blutdrucks. R. sind demnach durch ihre biol. kybernetische Funktion als Informationswandler gekennzeichnet. Die einzelne R.zelle, auf ein enges Reizspektrum spezialisiert, erzeugt bei Reizung ein elektrisches «Generatorpotenzial» (= R.potenzial), das mit ansteigender Reizung zunimmt und beim Überschreiten einer jew. best. Depolarisationsgrenze (beim auf Druck reagierenden Pacini'schen Körperchen (Vater-Pacini-Lamellenkörperchen) 10 mV) wird im fortleitenden sensiblen Nerv ein Aktionspotenzial erzeugt bzw. bei stetiger Reizung rezeptive Aktionspotenziale. Bei konstanter Dauerreizung kommt es zur Abnahme der Aktionspotenzial-Frequenz (Anpassungsniveau). Bei unterschiedlicher Einteilung werden unterschieden: Teler. (für entfernte Vorgänge), Exterozeptoren (für unmittelbare äußere Umgebung), Interozeptoren (für inneres Milieu), Viszerozeptoren (spez. für den inneren Organbereich), Propriozeptoren (für jew. Körperlage im Raum, Muskel- und Sehnenspannungen), Chemor. (für Änderungen des chemischen Milieus), Nocir. (Schmerzr.), Osmozeptoren (osmotischer Druck in Körperflüssigkeiten).

(2) In der Molekularbiologie werden heute darunter Molekülkomplexe in Zellmembranen verstanden, die mit anderen Molekülen (z. B. Hormone) spezif. reagieren. Auch in dieser Weise wird der Begriff R. heute zunehmend in Lehrbücher der physiol. Ps. und der Ps. übernommen. Aber auch in der Sinnesphysiologie gibt es heute unterschiedliche Bedeutungen. So verstehen Anatomen unter einem R. eine morphologisch charakterisierbare Sinneszelle, während Sinnesphysiologen als R. einen Membranabschnitt einer Sinneszelle oder einer rezeptiven Nervenendigung ansehen, der darauf spezialisiert ist, Reize aufzunehmen.

Neuroanatomisch bez. ein R. die spezif. Struktur in der Zellmembran, an der sich ein körpereigener oder zugeführter Stoff bindet, was mit einer best. Änderung verbunden ist, etwa der Öffnung eines Ionenkanals oder der Aktivierung eines second messenger. Chemische Stoffe können diese Bindung fördern oder hemmen. Für das Verständnis der Wirkung chemischer Stoffe haben Autorezeptoren eine große Bedeutung. R. können wie Eigenschaften zeitlich konstant oder labil sein und mit psych. und somatischen Zuständen variieren. Bedeutungsvoll sind krankheitsbezogene und pharmakonbezogene Variationen. Sie können vermehrt oder vermindert sein, was sich durch chemische und physiol. Methoden nachweisen lässt. Bei chronischer Medikation können die Anzahl und/oder die Sensitivität der Rezeptoren zunehmen (sog. «Heraufregulierung», engl. up-regulation) oder abnehmen (sog. «Herunterregulierung», engl. down-regulation).

Referenzen und vertiefende Literatur

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