Rhinoglossie

 

[engl. rhinoglossia; gr. ρις (rhis) Nase, γλωσσα (glossa) Zunge],  [KOG], peripher-expressive Sprechstörung, durch organische Veränderung an den peripheren Sprechorganen oder durch die diese versorgenden peripheren Nerven verursacht. Bei angeborenen Spaltbildungen im Gaumen [lat.: Palatum] – dem Dach der Mundhöhle und der Abgrenzung zur Nasenhöhle) – kann während der Lautbildung kein vollständiger Gaumenabschluss hergestellt werden. In Folge dessen entstehen (neben Problemen bei der Nahrungsaufnahme und beim Schlucken) artikulatorische Besonderheiten und Störungen im Sprachklang (Rhinophonie; gr. φωνη (phone) Ton, Stimme). Durch den unzureichenden oronasalen Abschluss (velopharyngeale Insuffizienz) fließt Luft durch die Nase, es kommt zu einer verstärkten nasalen Resonanz von Vokalen und stimmhaften Konsonanten (offenes Näseln oder Rhinophonia aperta) sowie zu einer artikulatorischen Störung von Explosiven (Verschlusslaute), sofern deren Bildung überhaupt gelingt, und Frikativen (Reibelaute). Die Artikulation von «g» und «k» kann durch laryngeale Explosionen (im Kehlkopf) substituiert sein. Die Sprechstörung bei Patienten mit Gaumenspalten wird als Palatolalie (Gaumenspaltensprache) bez. Durch frühe kieferchirurgische Eingriffe (operativer Verschluss der Spalte, Gaumenplastik) im Verbund mit einer sprachtherapeutischen/logopädischen Frühbetreuung (Logopädie) inkl. gezielter Elternberatung kann massiven artikulatorischen Fehlentwicklungen weitgehend vorgebeugt werden, wenngleich selbst ein gutes Operationsergebnis keine unauffällige Sprech- und Sprachentwicklung garantiert. Eine konservative sprachtherapeutische/logopädische Behandlung mit Wahrnehmungsschulung des Stimmklangs und Funktionsübungen zum Abbau der Sprechprobleme muss folgen.