Risikowahl-Modell

 

(= R.) [engl. choice under risk model], [EM], das R. ist ein von Atkinson (1957) entwickeltes, zu den Erwartung-Wert-Theorien zählendes Motivationsmodell, das der Analyse und Vorhersage versch. Aspekte des Leistungshandelns – insbes. der Aufgabenwahl und der Motivationsstärke – dient. Dafür berücksichtigt das R. zwei Personenmerkmale, die Hoffnung auf Erfolg (Erfolgsmotiv) und die Furcht vor Misserfolg (Misserfolgsmotiv), sowie zwei Aufgabencharakteristika, die Attraktivität des mit der Aufgabe verbundenen Ziels (Anreiz) und die Erwartung, dieses Ziel erreichen zu können (subj. Erfolgswahrscheinlichkeit). Außerdem geht es davon aus, dass bei reinen Leistungsaufgaben Anreiz und Erfolgswahrscheinlichkeit linear zus.hängen: Bei einem Erfolg ist der Stolz (also der Anreiz des Erfolgs) umso größer, je schwieriger die Aufgabe war, während bei einem Misserfolg die Scham (also der negative Anreiz des Misserfolgs) umso größer ist, je einfacher die Aufgabe war. Wird die Erfolgswahrscheinlichkeit also von We = 0 bis We = 1 gefasst, gilt dementsprechend für den Erfolgsanreiz Ae = 1-We und für den Misserfolgsanreiz Am = -We. Diese Werte werden nun mit der gemessenen Stärke der Motive Hoffnung auf Erfolg (Me) und Furcht vor Misserfolg (Mm) multipliziert, woraus sich die Resultierende Motivation (RM) ergibt: RM = (Me * We * Ae) + (Mm * Wm * Am). Da zudem angenommen wird, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Misserfolgs und die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs zu 1 ergänzen, können außer den Motiven alle Werte aus der Erfolgswahrscheinlichkeit abgeleitet werden. Deshalb kann die Formel auch als RM = (Me * We * (1-We)) + (Mm * (1-We) * -We) ausgedrückt werden.

Aus dieser Formel lassen sich folg. Aussagen ableiten: Ist die Hoffnung auf Erfolg stärker ausgeprägt als die Furcht vor Misserfolg (Me > Mm), ergibt sich die höchste RM immer bei einer mittleren Erfolgswahrscheinlichkeit (We = 0,5). Erfolgsmotivierte Personen sollten daher bevorzugt Aufgaben mit einem mittleren Schwierigkeitsgrad wählen. Ist die Furcht vor Misserfolg stärker ausgeprägt als die Hoffnung auf Erfolg (Me < Mm), ergeben sich ausschließlich Werte, die kleiner oder gleich null sind. Die Leistungsmotivation ist bei allen Aufgabenschwierigkeiten neg., wobei die am stärksten neg. Werte wieder bei einer mittleren Erfolgserwartung vorkommen. Misserfolgsmotivierte Personen sollten Leistungssituation daher generell meiden. Müssen sie sich aber für eine Leistungsaufgabe entscheiden, sollten sie vor allem die mittelschwierigen Aufgaben meiden und entweder eine möglichst einfache oder eine möglichst schwierige Aufgabe wählen. Bei Personen mit gleich stark ausgeprägtem Erfolgs- und Misserfolgsmotiv (Me = Mm) besteht ein Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt und RM ist gleich null. In diesem Fall entscheiden nicht zur Leistungsmotivation gehörende Faktoren die Aufgabenwahl. Besteht keine Wahlmöglichkeit, sollten sich sowohl erfolgs- als auch misserfolgsmotivierte Personen bei mittelschwierigen Aufgaben am meisten Mühe geben; die einen, weil sie hier am meisten Stolz empfinden können, die anderen, weil hier die Gefahr, sich schämen zu müssen, am größten ist. Erfolge steigern und Misserfolge senken die subj. Erfolgserwartung. Daher steigt dem Modell zufolge die Motivation von Erfolgsmotivierten, wenn sie bei einer einfachen Aufgabe einen Misserfolg oder bei einer schwierigen Aufgabe einen Erfolg verbuchen, weshalb sie sich in diesen beiden Fällen auch besondere Mühe geben. In allen anderen Fällen sinkt ihre Motivation. In den beiden genannten Fällen steigt auch die Vermeidensmotivation von misserfolgsmotivierten Personen, weshalb sie dann bevorzugt Aufgaben aus dem jew. anderen Ende der Schwierigkeitsskala wählen, da diese nun die noch angenehmste Alternative darstellen. Eine besonders hohe Persistenz ist bei ihnen hingegen zu erwarten, wenn sie Misserfolg bei einer schwierigen Aufgabe oder Erfolg bei einer einfachen Aufgabe haben.

Zus.gefasst ergeben die Resultate versch. Studien, die sich mit dem R. befassten, zum einen, dass sich die Vorhersagen für Erfolgsmotivierte besser bestätigen lassen als für Misserfolgsmotivierte, und zum anderen, dass sich die Vorhersagen im Feld besser bestätigen lassen als im Labor. Dies rührt vor allem daher, dass Misserfolgsmotivierte im Labor ein weniger ausgeprägtes Vermeidungsverhalten zeigen, als erwartet werden könnte. Labor-Feld-Problem.

Referenzen und vertiefende Literatur

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