Rückschaufehler

 

(= R.) [engl. hindsight bias, syn. knew-it-all-along effect, creeping determinism], [EM, FSE, KOG], bezeichnet die Tendenz, bei Erhalt von Informationen über den Ausgang eines Ereignisses retrospektiv die Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Ausgangs und seine Vorhersehbarkeit zu überschätzen, seine Zufälligkeit zu unterschätzen und die einst selbst getroffene Vorhersage über den Ausgang an den tatsächlichen Ausgang anzupassen (Fischhoff, 1975, Erinnerung). Der R. kann auf drei Ebenen auftreten: (1) auf der Gedächtnisebene in Form von Gedächtnisverzerrungen und Fehlerinnerungen an das frühere Urteil (z. B. Ich habe gesagt, es würde passieren); (2) auf der persönlichen Glaubensebene über die objektive Beschaffenheit der Welt, wonach an die Vorherbestimmtheit und Zwangsläufigkeit von Ereignisausgängen (z. B. Es musste geschehen) geglaubt wird, und (3) auf der Ebene der Selbsteinschätzung in Form von Fehleinschätzungen der eigenen Fähigkeiten, des eigenen Wissens und der Vorhersehbarkeit von Ereignissen (z. B. Ich wusste, es würde geschehen bzw. es war leicht vorhersehbar). Beeinflusst werden die drei Ebenen des R. von kognitiven (z. B. Erinnerung, Aktualisierung von Wissensinhalten, Sinnstiftung; Kognition), metakognitiven (z. B. Verarbeitungsflüssigkeit, Fehlattribution, Metakognition) und motivationalen (z. B. Bedürfnis nach kogn. Geschlossenheit, Selbstwert; Motivation) Prozessen. Als Konsequenzen des R. lassen sich übersteigertes Selbstvertrauen in die eigenen Urteile und Prognosen sowie Kurzsichtigkeit bei der Suche nach und Analyse von möglichen Kausalitäten beobachten (Rose & Vohs, 2012). kognitive Fehler.

Referenzen und vertiefende Literatur

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