Salutogenese

 

(= S.) [engl. salutogenesis; lat. salus Gesundheit, gr. γένεσις (genesis) Entstehung], [GES]. Warum bleiben Menschen – trotz vieler potenziell gesundheitsgefährdender Einflüsse – gesund? Wie schaffen sie es, sich von Erkrankungen oder extremen Belastungen wieder zu erholen? Der israelische Med.soziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) hat für diese Perspektive den Neologismus Salutogenese geprägt (salus, lat. Unverletztheit, Heil, Glück; genesis, gr. Entstehung), um den Ggs. zur Pathogenese hervorzuheben. Die salutogenetische Perspektive fragt primär nach den Bedingungen von Gesundheit und nach Faktoren, die Gesundheit schützen. Das Konzept der S. wurde von A. Antonovsky in seinen beiden Hauptwerken «Health, Stress and Coping» (Antonovsky, 1979) und «Unraveling the Mystery of Health. How People Manage Stress and Stay Well» (Antonovsky, 1987) formuliert. Antonovsky geht von einem Kontinuum mit den Polen Gesundheit und körperliches Wohlbefinden auf der einen und Krankheit und körperliches Missempfinden auf der anderen Seite aus (health ease/dis-ease continuum). Der Gesundheits- bzw. Krankheitszustand eines Menschen wird danach wesentlich durch eine indiv., psych. Einflussgröße, das Kohärenzgefühl [engl. sense of coherence, SOC] bestimmt. Es setzt sich aus den Komponenten (1) Gefühl von Verstehbarkeit [engl. sense of comprehensibility], (2) Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit [engl. sense of manageability] und (3) Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit [engl. sense of meaningfulness] zus. Ein stark ausgeprägtes Kohärenzgefühl führt nach Antonovsky dazu, dass ein Mensch flexibel auf Anforderungen reagieren kann. Ob sich ein starkes oder ein schwaches Kohärenzgefühl herausbildet, hängt v. a. von den gesellschaftlichen Gegebenheiten, d. h. von der Verfügbarkeit sog. generalisierter Widerstandsressourcen, ab. In Anlehnung an Lazarus (Coping) vertritt Antonovsky ein Stresskonzept (Stress), in dem Stressoren nicht mehr grundsätzlich als krankmachend angesehen werden, sondern als Stimuli, die einen physiol. Spannungszustand (psychophysische Aktivierung) herbeiführen. Das Modell der S. wurde insbes. in der Prävention als Grundlage für Maßnahmen der Gesundheitsförderung pos. aufgenommen. Die Komplexität des Modells erschwert eine empirische Überprüfung, das zentrale Konstrukt des Kohärenzgefühls weist starke Überschneidungen zur Depressivität und zur Selbstwirksamkeitserwartung auf. Gesundheitsförderung.

Verwendete Literatur

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