Scheinbewegung

 

(= S.) [engl. apparent motion/movement], [WA], wahrgenommene Bewegung physikalisch unbewegter Objekte (Bewegungstäuschung); in engerem Sinne wird die stroboskopische Bewegung als S. bezeichnet (Phi-Phänomen, stroboskopische Erscheinungen). Die Gestaltpsychologie hat sich ihrer im Zuge der allg. Untersuchung zu den Wahrnehmungsvorgängen (optische Täuschungen usw.) angenommen. Auch die technische Verwendung der stroboskopischen (kinematografischen) Erscheinungen hat mitgewirkt und ließ die Überlegungen und Experimente von Faraday, Plateau, Mach (1875) oder auch das von Horner entwickelte «Lebensrad» wieder Beachtung erhalten. Die Theorien von Marbe (Reizverschmelzungs- bzw. Nachbildtheorie) und von Wundt (reproduktive Assimilationen) entstanden. An den Deutungen i. R. der Gestaltps. der S. haben sich v. a. Wertheimer, KoffkaBenussi und Linke beteiligt. Eine Reihe versch. Verfahren wurde zur Erzeugung von S. entwickelt (z. B. die einfache Nacheinander-Exposition von Kreisbögen und Punkten oder von sich überschneidenden Quadraten mit Punkten, wobei diese zum «Springen» gebracht werden, Versuche mit Aufhellung rotierender Scheiben und vieles andere mehr). Dabei lernte man, die S. in Einzelphänomene zu zerlegen, die man mit Alpha-, Beta-, Gamma-, Delta- und Epsilon-Bewegung oder auch als sog. Korte’sche Gesetze bezeichnet hat. Wertheimer, der die Bewegung als eine Erscheinung auffasste, die so elementar sei wie die Empfindung und die nicht in einfachere Bestandteile zerlegt werden könne, benannte die S. deswegen Phi-Phänomen (Phänomen sui generis). Bewegungsnachbild, Bewegungswahrnehmung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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